28.08.25 - Der Registan in Samarkand

Hm, die zweite Nacht hier in Samarkand war schon wieder nix! Dieses Mal schieb ich aber die Schuld ganz klar auf die Trulla über mir. Die hat sich ständig rumgewälzt und das nicht gerade rücksichtsvoll. Zumindest hat das ganze Bett gewackelt und das macht einen recht stabilen Eindruck. Heute ist sie ausgezogen, zum Glück, mal sehen, ob es an ihr oder am Bett lag, das merke ich dann heute Nacht. Ab fünf konnte ich jedenfalls gar nicht mehr schlafen und so stand ich um kurz vor halb 8 auf. Nutze ich die Tatsache, um wenigstens gleich zur Öffnung am Registan zu sein.

Dort war ich dann um dreiviertel und ich durfte tatsächlich (als zweite) auch schon rein. Innen war außer dem Aufbau für das Konzert noch kein Mensch, auch die linke Medresse war noch geschlossen und viele Türen öffneten sich erst nach und nach. Macht aber ja nix, ich hatte es ja nicht eilig.

Die linke Medresse ist die älteste, von Ulugbek, dem Enkel von Amir Timur, und sie steht auch ein paar Meter tiefer als die anderen (die deshalb niedrigere Minarette haben). Minarette – wusste ich nicht – sind nicht automatisch Teil von Moscheen, sondern einfach Türme zur Zierde an Gebäuden.

Das rechte Minarett der ältesten Medresse (Bild oben) wollte vor 100 Jahren „Schiefer Turm von Pisa“ spielen und drohte, nach außen umzukippen. Mit interessanten Techniken schaffte man es damals, den ganzen Turm irgendwie zu drehen, so dass er sich nun gegen das Gebäude neigt und nicht mehr umkippen kann. Hoffentlich…

Die Medresse gegenüber ist sehr skandalös, denn auf ihr sind zwei Tiger abgebildet, wobei das Abbilden von Menschen und Tieren im Koran irgendwie verboten ist… Der Platz dazwischen war früher Marktplatz, ist aber seit der Restaurierung dafür gesperrt.

Ich schlenderte durch alle drei und auch durch zwei kleine Ausstellungen innendrin. Spannend fand ich die ganzen Bilder von Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20., auf denen man die ganzen Gebäude, die ich inzwischen kenne, in den verschiedensten ruinenähnlichen Stadien sieht.

Meine Lebensrettung war dann der Wegweiser für türkischen Kaffee, hoch in den 1. Stock, wo ich nicht nur wach wurde, sondern auch einen tollen Blick auf den einen Innenhof hatte.

Gestärkt verließ ich den Registan und suchte im Umfeld noch nach zwei Geocaches. Danach ging ich zum Coffeedealer meines Vertrauens und legte gleich noch einen Cappuccino nach, bevor ich zum Hostel zurückschlenderte. Inzwischen war es auch schon 11 und es wurde merklich wärmer – nächster positiver Nebeneffekt meines frühen Starts.

Im Hostel nutzte ich den Koffeinschub für den gestrigen Blog, danach machte ich Siesta. Gegen zwei startete ich nochmal durch. Zunächst lief ich zu dem großen Bazar, der hier gleich ums Eck liegt und neben Gewürzen, Nüssen und Trockenfrüchten auch alles andere Essbare bietet. Ich lief einmal kreuz und quer durch.

Dann kaufte ich mir eine Tüte Weintrauben, fühlte mich dabei das erste Mal nicht abgezockt, und eine kleine Flasche frischen Granatapfelsaft.

Ich wollte noch zu einer eher unbekannte Attraktion, es sollte hier am Stadtrand eine alte Papiermühle geben, in der Papier traditionell per Hand hergestellt wird. Ich nahm mir ein Yandex dorthin und landete in einer Busladung Touristen. So war das nicht gedacht! Insgesamt war das nicht so der Knaller, sehr touristisch aufgezogen.

Die Papierherstellung war da nur ein kleiner Teil davon. Aber entgegen Google zahlte ich keinen Eintritt, von daher wars auch nicht schlimm.

Und es gab tatsächlich einen echten kleinen Fluss mit Wasser drin, der all die Mühlen (auch für Öl und Getreide) anschob.

Gegen vier ließ ich mich in die Stadt zurückfahren und direkt bei einem Restaurant absetzen, ich hatte sowieso schon Hunger. Heute entschied ich mich für Indisch. Nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Aber angenehm scharf und alles in allem zahlte ich keine 5€, inklusive Trinkgeld. Frage mich echt, wie die hier alle überleben! Dann schlenderte ich zurück und machte noch einen Abstecher in einem Café oder Restaurant ums Eck, das diese gemütlichen Liege-Tische hat. Dort gab es noch einen „Mojito“, aber da es so bequem ist, muss man echt aufpassen, dass man nicht einschläft…

Kurz nach halb 7 war ich wieder im Hostel, nun sitze ich im Innenhof und schreibe den Blog. Und bin müde, mal sehen, ob das heute Nacht erfolgreicher wird… Morgen hab ich dann noch ein paar wenige Sachen auf dem Plan und übermorgen geht es nach Bukhara weiter.

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