27.08.25 - Samarkand, das Highlight der Seidenstraße
Heute Nacht hab ich nicht wirklich gut geschlafen, dabei war es komplett ruhig im Dorm. Nur die, die um 1 über mir eingezogen ist, hat sich ständig so umgedreht, dass das ganze Bett gewackelt hat… Sie fand es im Übrigen viel zu heiß, ich war sehr glücklich über meinen Schlafsack unter dem Bettlaken…
Als der Wecker dann kurz vor acht auch wach war, stand ich auf und ging frühstücken. Das dauerte für meinen heutigen Tagesstart ganz schön lang, des es wird – vermutlich von den Eltern des Hostelchefs – frisch für jeden einzelnen zubereitet. Ich bekam auf Nachfrage nach etwas Vegetarischem Porridge und Pancakes, dazu Obst, Gemüse und Brot. Um halb 9 war ich dann schon unterwegs, denn um neun startete eine Free Walking Tour, natürlich weit weg von hier. Unterwegs nahm ich mir noch einen Cappu to go mit.
Los ging die Tour mit Guide Sitora am Mausoleum von Amir Temur, den ich ja schon kenne. Wir waren insgesamt zu sechst, eine ganz nette Truppe. Sitora schaffte es, uns wirklich viele Fakten zu vermitteln, ohne dass es auch nur ansatzweise langweilig oder zu viel wurde. Und das, obwohl ich müde war.

Temur ist wirklich die wichtigste Persönlichkeit in der usbekischen Geschichte. Im 13./14. Jahrhundert machte Dschingis Khan hier alles platt – daher gibt es auch kein noch älteres Gebäude hier. Dann kam Temur und eroberte quasi alles von der Türkei, Iran bis in die Mongolei und nach Indien. Und tatsächlich hat einer seiner Nachfahren dort das Taj Mahal erbaut!

Im Inneren stellte Sitora dann die Frage, welcher Stein das Grab von Temur markiert (der liegt übrigens in Wirklichkeit einen Stock tiefer, aber das ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich). Klar, dass es nicht der größte war, sondern tatsächlich der dunkle (aus Jade, links). Beeindruckend fand ich, dass der größte hinten im Bild seinem Lehrer gewidmet ist! Uns würden die Schüler vermutlich irgendwo verscharren 😂
Seine sterblichen Überreste waren wohl mit einer Botschaft von ihm versehen, dass man sie ja dalassen soll, wo sie liegen, sonst geschehe ein Unglück. Die Russen ignorierten das und nahmen sie 1941 mit – zwei Tage später kam der Krieg nach Samarkand. Und der endete erst, nachdem die Knochen zurück waren.

Vom Mausoleum liefen wir zum Registan, dem riesigen Platz mit drei Medressen außenrum. Die linke wurde im 14. Jahrhundert von Amirs Enkel Ulubeg erbaut, die anderen beiden folgten im 17. Jahrhundert.

Dazu mehr morgen, denn da schaue ich mir das ganze von innen an. Die großen Aufbauten, die hier im Gange sind (in Badelatschen und ohne Sicherung) sind für ein Konzert am 1.9., dem Unabhängigkeitstag.


Wir liefen weiter durch die Fußgängerzone und an meinem Hostel vorbei zur Bibi Xonim Moschee, die nach einer der angeblich 18 Frauen Temurs benannt ist. Heute ist sie wohl auch nur noch ein Museum.


Und dann ging es direkt weiter zur Chidr Moschee, die man wieder kostenlos besichtigen kann. Dort liegt auch der 1. Präsident von Usbekistan begraben. Wobei es nicht wirklich ein demokratischer Präsident war, aber das Volk war wohl wirklich mit ihm zufrieden, Sitora definitiv, sie freute sich sichtlich, als einer aus unserer Gruppe etwas Nettes über ihn sagte. Er war jedenfalls von 1991 ab an der Macht, bis er 2016 starb, wobei er die letzten acht Jahre sein Land komplett von der Außenwelt abgeriegelt hatte, ähnlich wie Turkmenistan.

Unser letztes Ziel war das Shahi-Sinda-Ensemble, eine Ansammlung von mindestens 10 Mausoleen. Die sind – wie fast alles hier – nicht mehr im Originalzustand, sondern so gut wie möglich restauriert.


Unten ein Bild aus den 30er Jahren vor der Restaurierung. Hier endete unsere Tour und da ich schon mal hier war, ging ich auch direkt hinein, um mir das Ganze anzusehen. Schon beeindruckend, v.a. in dieser Menge.


Danach lief ich zum Hostel zurück, es war Zeit für Siesta. Inzwischen war es schon fast zwei und es hatte 38°, ich glaube, der bisher heißeste Tag. Ich schmiss mich jedenfalls eine gute Stunde aufs Bett und kuckte, was ich die nächsten Tage machen könnte. Den Ausflug in Temus Geburtsstadt wohl eher doch nicht, das gibt’s zwar als Tour hier angeboten, ist aber doch weiter als gedacht.
Gegen halb vier machte ich mich nochmal auf nach draußen. Zunächst brauchte ich Koffein und fand das in einem guten kleinen Coffeeshop. Danach lief ich etwas ziellos umher, durch einige Parks, die sich aber alle durch das Fehlen bequemer Bänke auszeichneten. Und durch ein Übermaß an Bewässerung, im Ernst, man könnte meinen, hier gibt es Wasser ohne Ende. In der prallen Sonne wird hier quasi ohne Pause bewässert, teils stehen die Wiesen unter Wasser, dicke Wasserschläuche lassen Wasser über Wege laufen… Wahnsinn! Wie gesagt, der zweitgrößte See der Welt wurde hier ja schon vernichtet, mal sehen, was als nächstes dran ist 😪

Nach einigem ziellosen Herumirren ging ich in ein kleines Restaurant, das zumindest einen schönen Sitzbereich im Grünen hatte, war auch schon halb 6 Es gab ganz einfach Spaghetti mit Tomatensoße, wobei auch die zeigte, dass man hier durchaus gern mit viel Öl kocht.
Auf dem Rückweg – die ganzen Restaurants außerhalb der Tourimeile sind doch ein Stück weiter weg – beschloss ich, beim Registan zu bleiben und auf die Lichtshow zu warten, die angeblich jeden Abend um 8 und 9 Uhr stattfindet. Ich suchte mir ein Plätzchen, kaufte mir ein leckeres Eis (Kugel für 70ct) und beschäftigte mich v.a. mit Peoplewatching, Touris und Verkäufer. Um acht passierte dann schon mal nichts. Inzwischen tat mir doch der Hintern weh, aber was willste machen. Ich harrte weiter aus. Aber nichts passierte. Um Viertel 10 kapitulierte ich dann. Vermutlich fällt die Lichtshow aufgrund der Vorbereitungen aus, aber da hätte man ja mal irgendein Schild oder so aufstellen können, da saßen ja doch ein paar Hundert wartende Touris…

Ich lief also zurück ins Hostel und ging nur noch in die Dusche und dann mit Kindle ins Bett.
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