24.08.25 - Kleine Wanderung in völliger Abgeschiedenheit
Die erste Nacht in meiner Jurte hab ich tief und fest geschlafen, es war wunderbar ruhig. Ab halb 7 war ich wach, die Nachbarschaft war schon in den Startlöchern. Ich ließ sie machen und las bis Viertel 9, als ich dann zum Frühstück ging, fuhren sie schon davon.

Das Frühstück war genauso toll wie das Abendessen. Ein Buffet mit viel Obst und Gemüse, kleinen Pancakes, Brot und Käse. Wäre da nur nicht die Sache mit dem (Instant-)Kaffee 😉
Gut gestärkt machte ich mich startklar zu einer kleinen Wanderung. Um Viertel 10 war ich auf dem Weg. 500m die Straße runter, dann zweigte laut Gipsy und Maps.me ein kleiner Pfad rechts in die Berge ab. Für Komoot ist die Gegend offensichtlich zu unbekannt.

Zunächst ging es durch ein lostplace-ähnliches Ferienlager, dahinter begann der eigentliche Pfad. Dieser führte mit einer leichten Steigung bergauf.

Irgendwann war der Pfad nicht mehr als einzelner zu erkennen, vielmehr waren es zig kleine Pfade, vermutlich von den Ziegen, die hier unterwegs sind.

Dank Gipsy und Kompass aber gar kein Problem, die Richtung stimmte und laufen konnte man quasi überall.

Nach etwa einer Stunde kam ich dann oben an. Ein Gipfel war es eigentlich nicht wirklich, eher ein langer Grad. Ich machte eine kurze Rast und musste aufgrund der Spurenlage aus Müll (nicht vorhanden) und Scheiße (überall in zweierlei Größe vorhanden) feststellen: Hierher verirrt sich kaum ein Mensch!

Wobei, einer wohnt hier, gleich gegenüber sieht man ihn in seinem Garten! Echt krass, wo überall Menschen leben!

Es ging noch ein kleines Stück höher bis auf 1200m und hier kamen mir auch die einzigen anderen Wanderer entgegen. Die kuckten auch sehr erstaunt über den Gegenverkehr, ich war eher erstaunt über ihre Zielstrebigkeit. Aber die lief auf zwei Beinen hinterher und gab an, wo’s langgeht.

Von hier ging es dann mit minimalem Gefälle im Rechtsbogen an der Bergflanke entlang, ebenfalls mit unzähligen kleinen Pfaden. Es lief sich etwas schief und ich musste an die Gattung der Bergziege denken, die ja bekanntlich ein kürzeres und ein längeres Bein haben (genau wie Hanghühner). Kennt ihr nicht? Dann fragt mal meinem ehemaligen Geografie-Kollegen Wunderlich, der erklärt euch das!

Schließlich fand ich ein schönes Plätzchen mit einem flachen Felsen zum Sitzen und konnte die tolle Aussicht genießen.

Schon gestern, als ich herfuhr, hatte es total diesig gewirkt, heute war es wieder so. Keine Ahnung, ob das durch den Wind und den Staub kommt, ich vermute es fast.

Ganz hinten kann man auf jeden Fall den Aydar Ko’l See erahnen. Den Aralsee haben die Russen vernichtet, dieser 180km lange See ist wohl versehentlich entstanden… Wer weiß, wo das Wasser dafür wiederum Landstriche trockengelegt hat.

In einem weiten Bogen führte mich der Weg nach unten zu dem Dörfchen Sayyod, nach dem mein Camp benannt ist. Die Häuschen dort liegen teils weit verstreut und sehen oft schon sehr armselig aus. Ich lief durch enge staubige Wege etwa eine halbe Stunde in Richtung „Hauptstraße“.

Mir begegnete kaum ein Mensch, es wirkte fast wie ausgestorben, wären da nicht die Ziegen und die Wäsche auf der Leine.

Ich hatte ja auf einen Einkehrschwung – wenigstens auf eine Coke in einem kleinen Shop – gehofft, aber es gab gar nix. So lief ich also weiter und dann ging es nochmal ein kleines Stück bergauf die Straße zum Camp.

Ziemlich genau nach vier Stunden und knapp 12km war ich wieder zurück. Und wurde schon begeistert erwartet. Nettes Kerlchen, wenn auch leider keine Katze.

Ich setzte mich vor meine Hütte und machte die Brotzeit, für die ich unterwegs kein schönes Plätzchen gefunden hatte. Mein schwarz-weißer Schatten folgte. Langsam werde ich Fan von Schmelzkäse, entgegen seines Namens schmilzt der selbst nach drei Tagen bei 30° im Rucksack kein bisschen und schmeckt auch immer noch genauso. Dazu hatte ich im Supermarkt ein recht dunkles Gewürzbrot gefunden, gar nicht schlecht.

Gestärkt zog ich mich um und lief rüber zum Pool, der war jetzt genau das richtige! Als ich dann zum Trocknen in der Sonne lag, kam Guli, meine Freundin aus der Küche, mit einer „Kleinigkeit“… Zu lieb!

Die nächsten Stunden verbrachte ich hier in absoluter Ruhe, nur mit meinem neuen Freund. Ich hatte heute eine bequeme Unterlage von einer der typisch usbekischen Liegen neben dem Restaurant geklaut und damit war die Poolliege gleich viel bequemer.

Gegen fünf wechselte ich nochmal in die Hängematte. Heute scheinen keine weiteren Gäste zu kommen, im Restaurant ist nur für mich gedeckt. Um sechs ging es in die Dusche und jetzt, halb 7, sitze ich mit einem usbekischen Sarbast (Bier) an einem der Tische im Garten und schrieb schon mal den Blog. Um sieben gab es dann Abendessen, wieder sehr lecker und ähnlich viel wie gestern...

Jetzt ist es kurz vor acht, ich liege im Bett in meiner Jurte und der Blog ist fertig. Morgen mache ich einen Kochkurs, dann kann ich hoffentlich auch dieses leckere Plov von gestern zubereiten!
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