23.08.25 - Für drei Tage in die Pampa

Die Nacht im Bahnhof hab ich sehr gut geschlafen. Es kamen zwar noch drei Leute, aber die hab ich teils überhaupt nicht gehört. Früh war ich zwar schon vor dem Wecker wach, blieb aber bis 8 liegen. Dann machte ich mich fertig und checkte aus. Mein Kaffeeversuch Nummer 1 scheiterte heute allen Ernstes an meinem Mehrwegbecher. Den darf er nicht verwenden! Echt krass, immerhin werden auch hier in den großen Kaffeeketten Mehrwegbecher verkauft und er darf ihn nicht verwenden??? Ich hatte ja schon die lustige Erfahrung in Kasachstan, als mein Becher als Maß für die Größe herhalten durfte und mir dann gereicht wurde, um einen Pappbecher derselben Größe zu verwenden. Das konnte ich verhindern, aber das er gar nicht genommen wird, war mir neu. Da der Coffeeshop vor dem Bahnhof ihn aber beim letzten Mal vor drei Tagen akzeptiert hatte, ging ich also wieder dort hin und mit Kaffee freundlich grüßend am anderen Coffeeshop vorbei. Immer mal was Neues…

Mein Zug wartete schon und fuhr wie immer pünktlich – um 8.40 Uhr – los. Gut zwei Stunden später war ich am Zwischenziel in Jizzax. Ich hatte genaue Anweisungen meines Camps, wie ich dorthin gelangen würde. Punkt 1: Nimm ein Taxi dorthin, wo die Shared Taxis abfahren. Klingt einfach, aber jetzt, wo ich das 1. Mal ein Taxi wollte, war an dem ganzen Bahnhof nicht ein einziges zu finden. Ich kuckte etwas ratlos, als doch eines ankam. Der Fahrer war ein Beispiel usbekischer Gastfreundschaft. Zum vom Camp angegeben Preis fuhr er mich zum Ziel, aber damit war seine Arbeit noch nicht zu Ende. Er ging mit mir zusammen zu den Taxifahrern, verhandelte und sorgte dafür, dass ich nicht übers Ohr gehauen und ans Ziel kommen würde. Zum Dank gabs 100% Trinkgeld – damit zahlte ich etwa 1,70€ - und wurde mit lieben Worten und einer Umarmung verabschiedet. Für ein bisschen Taxi-Smalltalk reicht mein Russisch tatsächlich aus.

Auch der nächste Fahrer war sehr um mich bemüht. Es waren noch zwei weitere Passagiere im Auto bzw. wurden mit halbem Hausstand unterwegs abgeholt. Eigentlich sollte ich dann nochmal auf ein privates Taxi wechseln, doch er bestand darauf, mich auch noch die 11km Umweg zum Camp zu fahren.

Dass noch jemand anderes auf der Rückbank mitfuhr, störte ihn nicht. Ich hatte ein leicht ungutes Gefühl, da er für diesen Extraservice nicht mit dem Preis rausrückte. Wobei nur leicht ungut, denn auch übers Ohr gehauen werden ist hier ja noch nicht teuer. Aber als wir ankamen, fragte er, was die Unterkunft als Preis für diesen Abschnitt angibt und mit genau diesem Geld war er zufrieden, insgesamt gerade mal 5€ für eine gute Stunde Fahrt.

Um halb 1 war ich dann am Ziel, dem Sayyod Yurt Camp, meinem Zuhause für die nächsten drei Nächte. Ich hab ja noch reichlich Zeit und bevor es dann an die ganzen Highlights der Seidenstraße mit Sightseeing ohne Ende geht, sind drei Tage chillen und evtl. ein bisschen wandern genau das richtige. Und als ich die Fotos auf Booking gesehen hatte, wusste ich auch, dass ich 3 und nicht 2 Nächte bleiben möchte. Mit Frühstück, Abendessen, Einzeljurte und Pool kostet das knapp 30€ pro Tag.

Und es ist echt toll. Die Mitarbeiter sind super nett, hilfsbereit und sprechen gut Englisch. Die Anlage ist sehr gepflegt, der Pool sauber und sehr erfrischend. Und es ist absolut ruhig, bis auf das gelegentliche Mähen einer der drei Ziegen.

Ich bezog meine Jurte, futterte etwas aus meinen Vorräten und verbrachte dann ein paar Stunden am und im Pool (kurz, ist echt kalt). Ich war komplett alleine hier, erst auf Abend fiel noch eine vielleicht zehnköpfige chinesische (?) Reisegruppe ein, die sind bisher aber auch unauffällig und garantiert nach dem Frühstück morgen wieder weg.

Später wechselte ich vom Pool in die Hängematte, nochmal deutlich gemütlicher. Wie in so vielen Ländern ist nämlich die Auflage für die Plastik-Poolliegen auch hier unbekannt… Zwischendurch machte ich ein klitzekleines bisschen Laundry, irgendwo muss ich Unterhosen verloren haben 🧐Nun reichen die Klamotten bis zum Hostel in Samarkand, wo ich die Waschmaschine anwerfen werde.

Gegen 6 wurde es dann schon fast frisch – immerhin liegen wir auf über 900m hier – deshalb ging ich aus der Hängematte in die Dusche. Auch der Sanitärbereich könnte auf einem einfachen deutschen Campingplatz sein. Danach kamen Klamotten aus dem Rucksack, die ich noch nicht anhatte: Leggins und Longsleeve, definitiv nicht zu warm. Ich setzte mich an einen der Außentische und schrieb schon mal Blog, bevor es Abendessen gab.

Um 7 gings dann ins Restaurant. Die Chinesen stellten sich als respektvolle Koreaner heraus, sie hatten ihr eigenes Kimchi dabei und ihr Guide kam an meinen Tisch um sich für die Lautstärke (???) der Gruppe zu entschuldigen. 15 Deutsche sind garantiert nicht so leise beim Abendessen! Das Essen selbst war der Hammer. So viele Vitamine hab ich schon lange nicht mehr auf dem Tisch gesehen. Ich bekam dreierlei Salate, dann gab es Linsensuppe und schließlich Plov, für mich ohne Fleisch. Ich platzte fast, als mir gesagt wurde, es gäbe noch mehr…

Dabei hab ich doch nur aufgegessen, weil es so lecker war. Zum Abschluss wurde mir noch ein riesiger Obstteller vorgesetzt. Das junge Mädel in der Küche freute sich sehr, als ich meinte, ich würde das Angebot des Kochkurses in den nächsten Tagen gerne annehmen 😉 Sie setzte sich eine Weile zu mir und wir quatschten ein wenig, dann musste ich mich aber mal ablegen, ich war echt vollgefuttert…

Jetzt ist der Blog fertig, es ist halb 9. Nachher gibt es noch ein Lagerfeuer, da will ich zumindest mal kurz vorbeischauen, mal sehen, ob die Koreaner dort dann endlich aufdrehen (immerhin hatten sie schon Wein und Vodka…)

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