20.08.25 - Nach Kokand ins Fergana-Tal

Mein Hostelbett war zwar bequem und die AC auf freundlichen 26°, aber die Ruhe aus meiner Datscha fehlte definitiv. Bis 12 waren die drei Chinesinnen unter mir mit Rumrödeln und Reden beschäftigt – dass zwei im Dorm offensichtlich schlafen wollten, interessierte sie nicht. Dann kamen noch zwei, die bemerkte ich gar nicht, aber sie brachen um 5 wieder auf und das bekam ich dann doch mit. Naja, so ist das halt.

Um 7 war auch mein Wecker wach, ich machte mich so leise wie möglich fertig und saß kurz darauf in einem Yandex zum Bahnhof. Ich war zeitig dran und konnte mir noch einen Kaffee mitnehmen, bevor ich zum Zug lief. Der stand dann aber schon da und ich hatte den Jackpot: Der Wagon mit ca. 30 Fußball-Jungs zwischen 8 und 15… Waren aber eigentlich ganz friedlich und mit ihren Handys beschäftigt.

Pünktlich um 8.10 fuhr der Zug los und die nächsten Stunden verbrachte ich mit Hörbuch, Sudokus und vor mich hindösen. Der Streckenabschnitt, bevor man in das Fergana-Tal reinkommt, ist echt schön, ein tiefer Taleinschnitt und an der Seite ein See und dann ein Fluss.

Den interessantesten Abschnitt über den Pass erlebt man aber nur, wenn man mit dem Bus fährt (wollte ich eigentlich für die Rückfahrt, hab mich aber dann doch dagegen entschieden, denn der hält ja dann doch nicht am Aussichtspunkt). Der Zug kürzt dann ab und unterfährt das Ganze in einem 18km langen Tunnel.

Und schwupps ist man im Tal. Ich fuhr bis Kokand, der ersten nennenswerten Stadt hier. Um halb 1 war ich da und nach einigen Minuten warten kam auch mein Yandex. Die gibt’s hier, aber deutlich weniger. Und es war eigentlich auch ein Taxi, aber zu Yandex-Preisen. 10 Minuten später war ich im „Hostel“. Etwas komisch hier. Eigentlich hatte ich Dorm gebucht, den gibt’s auch und er steht leer. Stattdessen bin ich mit einer Usbekin (die nicht kapiert, dass mein Usbekisch noch deutlich schlechter ist als mein Russisch) in einem minikleinen Doppelzimmer. Das hat eine unblockierbare Lüftung, dafür gibt’s keine Bettdecken (von Handtüchern ganz zu schweigen und die gab es hier in fast jedem Hostel). Und nicht mal eine einzige Steckdose hat das Zimmer. Echt sehr suspekt der Laden. Aber ist ja nur für eine Nacht. Immerhin ist es ruhig und sauber und ich hab ja meinen Schlafsack mit, wäre ja traurig, wenn der nie zum Einsatz käme 😉

Ich packte meine kleine Tasche und gegen halb 2 war ich auf dem Weg ins Stadtzentrum, ca. 25 Minuten zu Fuß entfernt. Naja, Zentrum ist falsch, aber zur Hauptsehenswürdigkeit. Zuvor ging es aber in ein Café, das mich mit einer Nutella-Waffel und Cappu überzeugte.

Nun war ich bereit für etwas Sightseeing und es ging direkt zum Khan-Palast gegenüber. Kokand war in Zeiten der Seidenstraße eines von drei wichtigen Khanaten hier.

Der Palast sah von außen echt schön aus, von innen gabs aber nicht allzu viel zu sehen. Aber es war ganz nett und kostete auch nur 3€.

Hübsche Holzdecken und Säulen gibt es hier aber immer!

Hinten gings wieder raus und durch den schönen Park zum Supermarkt. Google hatte restauranttechnisch nicht viel zu bieten, die Waffel war echt mächtig und so kaufte ich Brot, Käse und Ramensuppe für später. Dann lief ich weiter zur Jome Moschee, die jetzt wohl auch eher ein Museum sein soll, zumindest zahlt man Eintritt und darf man normal bekleidet rein. Ach ja, normal bekleidet ist hier so eine Sache, da fällt man schon auf. In Taschkent und auch in Chimgan liefen alle sehr europäisch rum und nur wenige Frauen waren verschleiert.

Hier gibt’s kaum eine ohne Kopftuch, teils haben schon die jungen Mädels eines auf. Und die sind auch sehr interessiert an Fremden und haben immer „Hello“ gerufen und gewunken.

Mein letzter Weg führte zu einem Mausoleum, das auf einem bis heute benutzten Friedhof steht. Dort schlenderte ich ein wenig durch die Gegend und wurde auch ins Mausoleum selbst herein gewunken ohne mir was überziehen zu müssen. Trotz allem sehr liberal hier.

Danach setzte ich mich noch ein wenig in einen Park, aber da ich keinerlei Alternativen (weder Cafés, Kneipen, … in der Nähe) sah, ging ich dann doch zum Hostel zurück, wo ich gegen 6 ankam.

Jetzt ist es halb 8, ich sitze in der Küche (bei der einzigen Steckdose für mein Handy), habe meine Ramen gefuttert und gleichzeitig ein paar Züge gebucht. Seit gestern Abend steht nämlich eigentlich mein Komplettprogramm bis zum Ferienende. Denn ich möchte unbedingt zu den Resten des Aralsees, wofür man eine Tour braucht und da das quasi direkt vor Turkmenistan stattfinden muss, musste ich auch mehr oder weniger bis dorthin durchplanen. Dadurch komme ich nochmal in den Genuss eines Nachtzuges und die sind recht schnell ausgebucht, deswegen wollte ich da auf Nummer sicher gehen, weil es eben nur diesen einen Zug täglich gibt.

Jetzt kann ich mich nach und nach noch um die Unterkünfte kümmern. In Samarkand, Bukhara und Khiva habe ich damit jeweils 3-4 Nächte, das entschleunigt doch etwas und vielleicht gönne ich mir auch hin und wieder noch einen Pool…

Morgen geht es erstmal noch eine Stunde weiter ins Tal rein und in ein Hostel, das hoffentlich seinen Namen auch verdient hat, zumindest sieht es und die Bewertungen toll aus…

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