16.08.25 - Sightseeing in Taschkent

Die letzte Nacht war … interessant. Vor der AC brauchte man definitiv keine Angst haben, im Gegenteil. Es war knallewarm. Das Bett ist auch sehr seltsam, die Matratze ist zwar sau dick, aber auch sau hart, keine Ahnung, wie sowas in Kombination geht. Gleichzeitig war sie aber wie eine Heizunterlage. Und die Decke fühlt sich an, als ob fünf Decken auf einem liegen würden (also wie in einem bolivianischen Bergdorf). Und war definitiv zu dick für die Leistung der AC. Die wurde dadurch noch „verbessert“, dass die Trulla neben mir offensichtlich in der Jurte wohnt und nicht weiß, wie man eine Tür zumacht. Und wenns draußen noch wärmer ist, ist das hilfreich… Kurzum, ich schwitzte viel und schlief weniger. Wie gut, dass ich hier drei Nächte bin…

Gegen 8 stand ich auf, zog mich an und checkte das Frühstück. Auf den 1. Blick eine große Auswahl, auf meinen persönlichen 2. eher ungeeignet. Da ich nicht allein die ganze Melone wegessen wollte, nahm ich Cornflakes, wobei ich nicht wusste, dass es die in einer derart krass süßen Version gibt. Daher beendete ich das dann auch schnell und war kurze Zeit später auf dem Weg zur Kaffeedealerin meines Vertrauens. Nachdem mich mein Cappuccino aus der Tasse anlächelte, sah die Welt schon viel besser aus.

Ich lief zur nächsten Metrostation, wo ich ein Ticket kaufen wollte. Doch ich erfuhr, es geht viel einfacher, man kann sowohl hier als auch im Bus einfach die Visa-Card auflegen und schon öffnet sich die Schranke (nachdem 12ct abgebucht wurden…)

Ich fuhr nur eine Station, dann war ich am Amir Timur Square mit dem wunderschönen (?) Hotel Usbekiztan. Ich musste aufs Klo und staunte nicht schlecht, so ein Klo hab ich in noch keiner Metro gesehen, das kann mit jedem Hotel mithalten. Und blitzblank, vom Klopapier ganz zu schweigen. Das ist hier nämlich weitgehend die Vollkatastrophe. Kennt ihr noch dieses Krepppapier, das man im Kindergarten zum Basteln benutzt? So ähnlich, nur nicht so schön bunt. Und wenn man es abreißen will, bröselt es. Ich kann mir das nur mit einer Überproduktion zu Sowjetzeiten erklären, die nun immer noch an Hostels und einfache Lokale verkauft wird… Da kannst du dir echt den A… aufreißen!

Ich war etwas zu früh, so setzte ich mich noch ein paar Minuten in den Park. Um 10 startete vor dem Hotel eine Free Walking Tour. Insgesamt waren wir vier Europäer plus unser Guide, der uns ziemlich viel wissenswertes über Usbekistan, Taschkent und die ganze lange Geschichte dahinter erzählte. Teilweise fast etwas zu detailliert für meinen Geschmack, aber definitiv sehr informativ.

Vom Hotel ging es nochmal in den Park zur Statue von Amir Timur. Der war wohl der wichtigste Herrscher im 14. Jahrhundert und wird bis heute (bzw. wieder) verehrt. Wo früher mal Lenin oder Stalin rumstand oder hing, findet man heute v.a. ihn.

Und er wird gehegt und gepflegt!

Von hier ging es eine Station mit der Metro weiter, wobei man in Taschkent auf einer Sightseeingtour nicht einfach Metro fährt, sondern natürlich auch was zur Architektur der Stationen erfährt.

Die sind hier teilweise wirklich toll gestaltet nach dem Vorbild der Moskauer Metro, wobei kommunistische Symbole inzwischen übermalt sind.

Bis vor einigen Jahren war es streng verboten, in den Stationen zu fotografieren, aber das wurde wohl aufgehoben.

Dann ging es am Palast eines Romanov vorbei, also eines Verwandten des letzten russischen Zaren und weiter zum Unabhängigkeitsplatz mit einem gigantischen Denkmal.

Und natürlich gibt’s ein paar Meter weiter eine ewige Flamme und eine Gedenkstätte zu den Opfern des 2. Weltkriegs. Die Städte hier sind doch irgendwie alle ähnlich aufgebaut…

Unser letztes Ziel waren dann nach einem kurzen Fußmarsch zwei Mausoleen, die mich jetzt aber nicht so vom Hocker hauten. Sie scheinen aber v.a. für die Kasachen sehr wichtig zu sein, denn die werden hier in ganzen Busladungen hergekarrt, nur um sich das anzuschauen.

Gegen halb 1 war die Tour zu Ende und wir wurden mit ein paar weiteren Empfehlungen entlassen. Ich machte mich auf den Weg zum Navroz Park, dort sollte es authentisch usbekische Häuser in einem Ethnopark geben. Die fand ich nicht, dafür auf dem Weg ein kleines Café am Straßenrand, Zeit für eine Pause.

Der Park stellte sich dann eher – mal wieder – als Vergnügungspark dar, nicht das, was ich suchte. Aber dafür fand ich einen Foodtruck, der gegen meinen inzwischen großen Hunger half. Ich dachte, ich würde dort nur Pommes bekommen, aber weit gefehlt. Dazu bekam ich nämlich einen leckeren Burger mit Falafel-Patty und gut gewürzten Pilzen obendrauf. Hätte ich hier überhaupt nicht erwartet. Zum Essen gibt’s immer Einweghandschuhe, im Nachhinein betrachtet ist das gar keine so blöde Idee.

Satt und zufrieden lief ich zur nächsten Bushaltestelle, von der aus ich zum Chorsu Bazar fuhr.

Der ist echt mal gigantisch, nicht nur der Bereich unter der Kuppel, sondern auch überall außenrum.

Innen drin gibt’s v.a. Fleisch, das fand meine Nase eher unangenehm, außen dann v.a. frische Sachen. Ich kaufte mir eine große Tüte Obst. Vermutlich wurde ich mal wieder übers Ohr gehauen, im Supermarkt ist das Zeug günstiger, aber aus deutscher Sicht doch noch günstig und ich werde es überleben.

V.a. da ich jetzt endlich Vitamine bekomme. Die gibt’s hier in verarbeiteter Form viel zu selten. In Südamerika oder Südostasien bekommt man ja fast überall frisches Obst geschnitten oder in flüssiger Form an der Straße, hier gibt’s nur ungesund, süß und oder fettig.

Mit meiner Beute bestieg ich die nächste Metro und fuhr zur Kosmonauten-Station, die mit allerlei Weltraumgedöns (und natürlich Juri Gagarin) dekoriert ist.

Von dort lief ich noch 10 Minuten ins Hostel. Es war erst drei, aber für heute reichte das Programm. Ich sprang in den Bikini und kurz in den Pool. Wie so oft fehlt aber auch hier der richtige Platz, um danach gemütlich rumzugammeln, es blieb eigentlich nur der Fliesenboden oder eine noch unbequemere Holzbank. Etwas schade.

Doch ich brachte die Zeit auch so rum, organisierte noch ein wenig und döste vor mich hin. Später gings noch mal in den Supermarkt ums Eck, wobei sich meine Ausbeute auf eine Tüte Grissini beschränkte. Zusammen mit meinem Obstberg aber ein leckeres Abendessen. Da auch die Kneipe fürs Feierabendbier nicht zu sehen war, gings zurück ins Hostel. Ich las ein bisschen, dann suchte ich mir ein gemütliches Eck für den Abend.

Inzwischen ist es auch schon kurz vor acht. Morgen bin ich noch hier, werde mich mit Metro und ein paar Caches noch ein bisschen durch die Stadt bewegen.

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