12.08.25 - Türkestan, es wird antiker

Heute Nacht empfand ich die Zugfahrt als nicht ganz so ruhig wie das letzte Mal, hat doch ordentlich geruckelt. Irgendwann hat dann die Lüftung auch noch beschlossen, auszugehen, da wird’s schnell richtig heiß und muffig in so einem Abteil. Wir hatten dann eine Zeitlang die Tür offen, doch zum Glück ging das Ding dann wieder an. Wenn die Sonne rauskommt, ist man hier schnell bei 30° und die auf so einer Blechschüssel… Hab dann mit Unterbrechungen bis neun geschlafen bzw. gedöst.

Der Zug war dann auf die Minute pünktlich und spuckte mich kurz vor 11 in Türkestan aus. Eine deutlich kleinere Stadt mit nur gut 200 000 Einwohnern. Ein Yandex war schnell da und schon ging es in einem gepflegten Audi 100 quasi ohne Stau zum Yassi Hostel. Das liegt schon mal sehr günstig fußläufig zu allen Sehenswürdigkeiten, gleichzeitig ruhig und versteckt in einem einfachen Wohnviertel. Ich checkte ein und zahlte inklusive 1x Wäschewaschen gerade mal 7€… Das Hostel ist zwar in einem alten Haus, aber der Dorm ist ganz neu gemacht. Der Rest ist auch ok und der Besitzer echt nett und hilfsbereit.

Ich leerte meinen Rucksack, warf quasi alles in die Waschmaschine und ließ mich selbst zum Blogschreiben nieder. Eine gute Stunde später war alles sauber und ich hängte es raus, bei über 30° trocknet das sehr schnell. Dann startete ich zum Sightseeing. Einmal über zwei Straßen fallen, schon war ich im Park, der das Mausoleum von Khoja Ahmed Yasawi umgibt, das wohl wichtigste antike Gebäude in ganz Kasachstan.

Türkestan selbst ist auch eine der ältesten Städte hier, 1500 Jahre alt. Das Mausoleum stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde vom damaligen Herrscher für einen der wichtigsten Poeten des Sufi-Ordens erbaut. Man kann zwar rein, das Highlight innen ist aber im Moment leider „under construction“.

Somit gab es heute also nur die Außenansicht. Um das Mausoleum herum war durchaus ordentlich Betrieb, weiter weg waren die Gehsteige aber eher hochgeklappt.

Ich lief zwischen verschiedenen, teils sehr skurrilen Gebäuden entlang, die mich teils schon wieder an Dubai erinnerten. Dazu trugen auch die Temperatur und die wüstenähnliche Umgebung bei.

Alles, was nicht ständig bewässert wird, ist auch nicht grün. Aber es ist krass, wie großzügig die hier bewässern, anscheinend reicht es nicht, dass in Kasachstan schon der zweitgrößte See der Welt fast komplett ausgetrocknet wurde.

Die goldene Kugel beherbergt eigentlich ein 3D-Theater mit einem Film über Kasachstan, war aber leider aufgrund technischer Probleme nicht zu besuchen. Somit blieb nur das Café gegenüber. Außer mir saß keiner draußen, aber im Schatten mit kräftigem Wind fühlten sich die 36° deutlich besser an als die klimatisierten Innenräume.

Vorbei an einer hübschen Moschee ging ich dann in den riesigen und ebenfalls menschenleeren Park.

Der scheint noch recht neu zu sein, die Bäume brauchen definitiv noch Jahre bis sie nennenswerten Schatten spenden.

Dafür waren aber überall die Rasensprenger in Betrieb und ich nahm die eine oder andere Dusche.

Nach einer Umrundung des Parks setzte ich mich zum Trocknen auf eine der wenigen schattigen Bänke.

Gegen fünf wurde dann der Hunger groß, heute hatte es noch fast nix gegeben. Da ich heute inklusive Taxi und Unterkunft noch keine 15€ ausgegeben hatte, sollte es ganz dekadent werden. Auf der Terrasse des Top Töbe (vermutlich in Anlehnung an den Hausberg von Almaty, Kok Töbe), das zum Hampton/Hilton Hotel gehört schlug ich zu: Pasta mit Pesto und Burrata, dazu frische Limonade. Schon mal sehr lecker. Aber um es richtig krachen zu lassen, musste noch ein Aperol hinterher. Bei langsam sinkender Sonne konnte ich den auch in der Sonne genießen.

Dieser ausscheifende Lebensstil riss dann mit 17€ (inkl. großzügigem Trinkgeld) auch noch kein riesiges Loch in meine Reisekasse 😂 Bei wunderschönem Abendlicht lief ich dann nochmal am Mausoleum vorbei.

Jetzt waren auch deutlich mehr Leute unterwegs und die Temperatur fühlte sich wirklich angenehm an.

Ich drehte noch eine Verdauungsrunde durch den Park, bevor es zurück zum Hostel ging. Dort verlud ich meine sauberen Klamotten von der Leine in den Rucksack. Innen traf ich auf zwei Mitbewohner, Ron von den Philippinen und Danny, einen alten, weißhaarigen Chinesen. Innerhalb kürzester Zeit überzeugte ich beide, dass sie morgen mit mir in zwei andere Orte fahren. Das bietet unser Hostelbesitzer nämlich als Tour an, zu einem Festpreis, zu dritt kostet uns das dann nur etwa 15€ pro Nase.

Somit bleibe ich noch eine zweite Nacht hier. Jetzt ist es kurz vor neun, der Blog ist fast fertig und Dusche und Bett schreien.

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