11.09.25 - Alte Steine und Weiterfahrt nach Mary

Heute Nacht hab ich trotz Kälte gut geschlafen, ich hatte die dicke Decke und Silje ein Betttuch… Um acht standen wir auf und gingen frühstücken. Immerhin sahen wir da, dass doch noch ein paar wenige andere Touris hier sind, es fühlte sich total leer an. Um neun wurden wir abgeholt, immer noch mit demselben Fahrer, den wir gestern Mittag schon wechseln sollten. Der Informationsgehalt ist hier immer eher gering…

Zuerst fuhren wir zu einem riesigen Memorial für ein Erdbeben vor fast 80 Jahren, bei dem die Mutter des ersten Präsidenten ums Leben kam, genau wie seine Brüder. Da hat es wohl die falschen getroffen... Vermutlich gibt’s nur deshalb dieses große Denkmal. Ums Museum kamen wir herum, es war nicht „Part of your Tour“… Die ewige Flamme wird gut bewacht von zwei Wachmännern und darf daher natürlich nicht fotografiert werden. Wichtig ist natürlich, dass alles sauber ist...

Von dort aus ging es zur antiken Stätte Nisa, eine alte Stadt aus dem 2. Jh. vor Christus. Für Fotos muss man überall extra zahlen. Im Museum war uns das zu blöd, hier haben wir einmal gezahlt. Dann hieß es, der Typ da drüben ist euer Guide. Mit viel gutem Zureden konnten wir ihr das wieder ausreden. Der Typ selbst hatte vollstes Verständnis.

Aber das hieß nicht, dass wir nun guidelos laufen konnten, denn nun folgte uns Merjen wieder auf Schritt und Tritt und wollte uns mit Infos füllen. Sie ist ja echt nett, aber durchaus anstrengend. Und ehrlich gesagt klingt sie ein bisschen wie ein auswendig gelernter Reiseführer.

Andeutungen, dass man gerne alleine einfach durchlaufen möchte, versteht sie nicht, man muss wirklich Klartext reden und dann wirkt sie traurig und beleidigt. Schwierig. Aber wir schafften es. Und konnten ohne Verfolger einfach durchlaufen. Und ohne neues Wissen wieder rauskommen! Erschreckend!

Die Ausgrabungen selber waren ganz nett, aber auch nicht spektakulär. Ähnlich zu den Burgen, die ich auf dem Weg nach Khiva gesehen hatte.

Am Ende trafen wir wieder auf alte Bekannte, hier machen halt alle mehr oder weniger dasselbe Programm… Nun ging es zur „größten Moschee Zentralasiens“. Oder auch nicht, denn die steht ja, wie ich weiß, in Astana. Die hier wurde aber natürlich vom Oberheiligsten errichtet, dem ersten Präsi, der samt Familie auch direkt daneben begraben ist.

Sehr skurril, in jeder Moschee weltweit finden sich arabische Texte aus dem Koran an den Wänden. Nicht so hier, hier stehen Ausschnitte aus dem Buch, das der Oberguru geschrieben hat. Wer weiß, ob die überhaupt Richtung Mekka beten oder zu seinem Geburtsort, sicher bin ich mir da nicht…

Nach der Moschee machten wir einen kleinen Kaffeestopp, schon wieder mit gutem und günstigem Cappuccino (zumindest bei inoffiziellem Wechselkurs). Danach wechselten wir tatsächlich den Fahrer und das Auto, Merjen blieb aber nach wie vor bei uns, soviel zum Thema „unguided“… Wir fuhren weiter nach Mary, das 350km östlich liegt, allerdings auf einer sehr guten Autobahn (mit Mautgebühr).

Gegen halb 5 kamen wir an unserem Hotel an und wurden zum Ausruhen entlassen. Silje wollte sich eine Runde hinlegen, ich ging nochmal raus, auf der Suche nach einem Plätzchen ohne Klimaanlage. Ich wurde schnell fündig, denn hinter dem Hotel ist ein großer Garten samt Bar und Restaurant. Es gibt sogar einen Pool, aber der ist Indoor. Solch essentielle Infos bekommen wir nicht, dafür aber, wenn wir an einem Shopping Center vorbeifahren…

Ich holte Silje, die inzwischen eine Wlan-Verbindung gefunden hatte und wir saßen mit Bier und Cappu (schon wieder gut) im Garten. Schade, dass wir zum Essen wieder woanders hingeschleppt werden, hier wäre es richtig schön. Immerhin sind wir dem Sushi entgangen, denn Merjen wollte uns allen Ernstes in ein Sushi-Restaurant schleppen. Wir meinten aber, wir hätten doch gerne etwas regionaleres, Plov oder so. Das wiederum verursachte große Probleme, unser Fahrer musste ewig rumtelefonieren, nun wird irgendwo Plov ohne Fleisch für uns gemacht. Wir versuchten alles, aber wir konnten es Merjen nicht ausreden. So gesehen freuen wir uns wirklich auf morgen, wenn wir zurück in Usbekistan sind und einfach wieder frei entscheiden können und auch etwas sagen können ohne dass es sofort zu 1000% umgesetzt werden muss…

Ich habe jetzt hier bisschen Blog geschrieben und ausgetestet, welche Websites gesperrt sind. Lustig, wir können aktuelle Weltnachrichten lesen, Infos über das Land auf Wiki, aber Social Medias sind gesperrt. Geocaching geht, das Infoportal der Schule nicht. Verstehe wer will… Aber man muss selber denken, ChatGPT spricht nicht!

Um sieben wurden wir zum Essen abgeholt. Unterwegs stellten wir fest, in Turkmenistan leben echte Menschen. Ashgabat ließ das nicht vermuten, all die neuen Häuser wirkten leer, es gab keine Shops, nichts. Hier ist es wie überall, Shops, kleine Restaurants, Menschen laufen rum, …

Das Restaurant Neskafe erwies sich dann als schöner und besser als der Name vermuten ließ. Mit etwas gut Zureden ließ sich Merjen dazu überreden, dass wir im wunderschönen Garten mit Livemusik sitzen wollten - „it’s beautiful inside“. Wir versuchten ihr beide zu erklären, dass es bei uns nicht allzu viele Monate möglich ist, draußen zu Abend zu essen und wir das genießen wollten. Sie scheint aber nicht wirklich Interesse daran zu haben, etwas über andere Länder zu erfahren. Ob das nun an ihr persönlich liegt oder an der Gehirnwäsche, die man hier wohl in der Schule bekommt, wissen wir nicht. Alles was sie interessiert, ist „my beautiful country“, wobei das auch nur die Region Ashgabat umfasst, selbst hier fühlt sie sich schon fremd und meinte, sie würde abends nicht alleine rumlaufen (100%, hier ist es sicherer als in einer deutschen Großstadt).

Das Essen war lecker, was uns allerdings niemand gesagt hatte, Plov wird erst ab vier Portionen zubereitet. Naja, nicht so schlimm, die anderen ließen wir einpacken für die Fahrt morgen. Da Merjen nicht zu Fuß laufen wollte und wir nicht mit dem Auto durch die Stadt cruisen wollten, ging es dann zurück zum Hotel.

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