10.09.25 - Ashgabat - wenn kleine verwöhnte Jungs SimCity spielen...

Die Jurte war dann gestern Abend schon mal voll belegt, als wir zurückkamen. Wir hatten ziemlich viele Mitbewohner, die auf den ersten Blick wie Kakerlaken mit Flügeln aussahen. Es waren Zikaden, die dann über uns an der Decke hingen. Nicht wirklich viel besser und auch ganz schön laut. Trotzdem schlief ich recht gut, war aber auch schon früh wach. Um Viertel acht stand ich dann auf und setzte mich mit einer Tasse Tee vors Restaurant zum Blogschreiben. Dort fand mich Merjen, die direkt wissen wollte, warum ich noch nicht frühstücke und wo denn Silje sei. Ich meinte, wir fahren doch erst um 9 weiter, also noch kein Grund zum Frühstücken. Das war gestern schon nicht einfach, ihr eine Zeit zu entlocken. Merjen sagte, ab sechs gäbe es Frühstück. Ich fragte, wann wir denn fahren würden. Sie: Nach dem Frühstück… Nach etwas Hin und Her sagte sie dann endlich eine Zeit. Heute dann: Wir fahren um halb 9. Ich: Gestern hast du 9 gesagt, Silje schläft noch. Sie: Ok, dann 9… Klare Aussagen ohne fremde Hilfe sind nur schwer zu bekommen.


Ich ging zurück zur Jurte, packte und zusammen gingen wir frühstücken. Wir waren die letzten, niemand war mehr hier. Nach mehrfachen Fragen, ob wir nochmal zum Krater laufen wollen bzw. beim Vorbeifahren (3 Minuten zu Fuß) halten wollen und Fotos machen wollen, was wir verneinten, ging es um dreiviertel 9 dann los. Erstmal ging es zur Hauptstraße und dann noch zu zwei weiteren Kratern. Im ersten brannte es noch minimal, den hatte mal wohl etwas erfolgreicher gelöscht. Der zweite erinnerte mich ein bisschen an eine Cenote, denn er war voll mit Wasser. An einer Stelle sah man aber, dass von unten Gas hochblubberte.


Dann ging es auf bzw. neben die lange Straße nach Ashgabat. Anfangs war sie wieder genauso schlecht wie gestern, wurde aber merklich besser. An einer Tankstelle – der einzigen – hielten alle Touris an. Gegenüber lag ein extrem lebensfeindlich aussehender Ort, mitten in der Wüste und der Sand flog einem um die Ohren. Wir tippen auf Gas oder irgendeine Art von Mine, freiwillig lebt hier niemand!


Ab hier verdiente die Straße dann auch wieder diesen Namen und in Hauptstadtnähe war sie richtig gut, wie zu erwarten. Bevor wir in die Hauptstadt einfuhren, ging es aber zur Wagenwäsche. Kein Witz, in die Stadt reinfahren darf nur, wer in einem weißen (!!!) und sauberen (!!!!!) Auto sitzt!

Ich hoffe, das liest und versteht niemand, bis ich das Land verlasse, aber der erste Präsident hier hatte echt einen an der Waffel! Er benannte die Wochentage nach seinen Familienmitgliedern um (Montag, verhasste Schwiegermutter?) und baute sich hier was auf, was nach der Fantasie eines verwöhnten kleinen Jungen aussieht. Alle Gebäude sind ebenfalls weiß und es gibt unzählige Monumente, in denen er sich vermutlich selbst feiert.
Wir fuhren auf breit ausgebauten, wenig befahrenen Straßen ins Stadtzentrum und hielten zunächst kurz am Independence Monument. Glauben wir zumindest, nach lauter solchen Gebilden sind wir etwas verwirrt.


Danach ging es jedenfalls in die Touragentur, wo wir unsere Rechnung begleichen durften. Wir haben uns übrigens für eine Tour ohne Guide, aber mit englischsprachigem Fahrer entschieden, was es angeblich gibt und deutlich günstiger ist, aber bisher sind wir immer noch mit Merjen unterwegs. Obwohl die Agenturchefin gestern am Telefon sagte, dass wir ab heute alleine wären, bisher ist nix passiert und wenn Merjen von den nächsten beiden Tagen spricht, sagt sie immer „we“. Auch wichtig ist immer die Betonung „this is part of your program“, oder auch mit einem „not“, wenn wir trotzdem irgendwo ein Foto machen wollen (durften wir aber bisher).
„Part of the program“ war dann als nächstes das Nationalmuseum mit dem zeitweise größten Flaggenmast der Welt davor (140m oder so).

Es war harte Arbeit unsere Guide davon zu überzeugen, dass wir das Museum einfach so und ohne Guide besuchen wollten. Unvorstellbar für sie, dass wir einfach nur kucken wollten ohne übermäßig viel Input. Damit waren wir deutlich schneller als die angekündigten 1-1,5h und sind dafür nochmal außen rum spaziert, wo wir eine nette andere Touristin trafen.


Jetzt ging es an den verschiedensten Monumenten vorbei. Teils gab es Fotos aus dem Auto, teils durften wir aussteigen. Da Merjen eher sehr lauffaul ist, hatten wir unsere freien Momente und ich konnte mich mit dem Präsi von hinten ablichten lassen.

Dann stoppten wir noch auf einem Markt, außen gab es Souvenirs, innen war er ganz normal. Nicht so spektakulär wie die in Usbekistan, aber doch auch ganz nett.

Nebenan gab es eine Shopping Mall, wo wir auf einen Kaffee einkehrten. Schon wieder eine echte Barista mit ausgezeichnetem Cappuccino.

Danach ging es zu etwas, das aussieht wie eine Rakete und zu Siljes Favoriten, den sie unbedingt sehen wollte. Es ist ein Riesenrad, aber das muss man schon wissen.

Im Anschluss ging es zum Hotel, inzwischen war es auch schon 5. Wir haben ja das „Billigprogamm“ mit nur 3 Sternen gebucht, das hier sah nicht wirklich danach aus…

Scheint eine Standardunterkunft für Touris zu sein, es gibt nämlich sogar einen Geocache ums Eck mit dem treffenden Namen „Ghost Town“.

Riesige Straßen ohne Menschen und mit kaum Autos. Ich drehte eine kleine Runde zu Cache und Aussicht auf die Stadt, dann ging ich zurück und setzte mich vors Hotel in den Schatten, um den gestrigen Blog auf dem Handy mit Fotos zu bestücken. Bin gespannt, ob das dann funktioniert und ich nur noch auf Hochladen drücken muss, wenn wir zurück in Usbekistan sind.

Dann ging ich schnell duschen, bevor wir um 7 zum Abendessen abgeholt wurden. Wir fuhren – mal wieder – in eine Shopping Mall, die wir nicht besichtigen wollten. Weder vor noch nach dem Essen, deshalb ging es direkt in das dortige türkische Restaurant.
Warum auch immer, gestern wurde uns noch von den vielen lokalen Spezialitäten berichtet… Auch danach wollten wir nicht den Supermarkt von innen sehen, sondern lieber auf einer Bank draußen auf unseren Fahrer warten.
Zurück ging es durch die lasvegas-ähnlich blinkende Stadt (sagt Silje). Will gar nicht wissen, wieviel Strom das jede Nacht verbraucht. Merjen betont immer, wie schön das alles ist, ich möchte hier nicht leben, auch nicht, wenn ich alle Freiheiten hätte.
Allgemein wirkt sie schon etwas wie nach einer ordentlichen Gehirnwäsche. Gerade ist es halb 10, wir sitzen in bzw. vor dem Bett und diskutieren über das, was man hier so sieht und was wir gesagt bekommen. Irgendwie passt es nicht so recht zusammen.
Merjen erzählt uns immer verschiedene Versionen (lebt mit Mutter oder doch mit der Schwester, war in Usbekistan, weiß aber nicht, ob man als Turkmene ein Visum braucht,…) Auch die Stadt selbst wirkt wie eine große Lüge. Angeblich leben hier ein Million Menschen, fragt sich nur, wo die sich heute alle versteckt haben…
So, jetzt schicke ich den Text mal rüber aufs Handy, wo er weiterverarbeitet wird. Sorry für allen Bullshit, wie gesagt, wir reden gerade gleichzeitig.

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