09.09.25 - Turkmenistan Land #98 und das Tor zur Hölle

Heute Nacht haben wir beide nicht wirklich gut geschlafen. Ich hatte das erste Mal seit Wochen eine weiche Matratze, die auch noch leicht durchhing, ideal auf dem Bauch… Um halb, dreiviertel 7 standen wir auf, packten zusammen und wurden um 7 abgeholt und zur Grenze gefahren. Kurz vor acht standen wir an der Grenze, die noch geschlossen war. Und das noch eine ganze Zeitlang. Hinter uns reihten sich die Bosch-Guys ein, eine Gruppe turkmenischer Männer, die alle ein Küchengerät von Bosch im Gepäck hatten. Erst kurz vor neun tat sich was und ab hier hieß es mit Ellenbogen und Backpack arbeiten. Obwohl vorher alle noch halbwegs sortiert anstanden, war ab jetzt jedes Mittel recht.

Am Zaun wurde der erste Blick in den Pass geworfen, dann ging es zur echten Ausreise. Hier wurde genau in den Computer gekuckt, vermutlich werden diese Registrierungen genau überprüft. Hinten ging es wieder raus, der Stempel wurde erneut kontrolliert. Und dann ein 3. Mal, dieses Mal zusammen mit dem Invitation Letter für Turkmenistan, der Typ in Tarnkleidung hatte einen turkmenischen Anstecker auf der Brust.
Nun standen wir im Niemandsland, das man mit einem Bus durchquert. Online hieß es, man könnte auch laufen, aber der Typ passte auf, dass sich niemand auch nur drei Meter entfernte. Hier standen wir nun mal wieder, bestimmt eine halbe Stunde, dann kam der klapprige turkmenische Bus. Er lud die erste Fuhre aus und wendete vor uns. Er stoppte aber nicht am Anfang der Schlange, wo die standen, die am längsten warteten, sondern am Ende, wo inzwischen 16 Touris von G-Adventure standen. Keine Chance, dieser Bus fuhr trotz allem Körpereinsatz ohne uns. Wir warteten also weiter und schließlich kam er wieder. Dieses Mal standen wir günstiger und konnten unseren Platz erkämpfen.
Es war fast 10, als wir auf der turkmenischen Seite wieder rauspurzelten. Nun sollte uns eigentlich unsere Tourguide Merjen erwarten, aber sie war nirgends zu sehen. Der Guide der großen Gruppe, der ja schon da war, half uns und rief sie an. Sie hatte wohl draußen gewartet. Allgemein erweckte sie den Eindruck, das hier genauso oft gemacht zu haben wie wir… Sie wusste weder, was was kostet noch wo wir uns wann anstellen sollten. Ansonsten war sie aber nett. Bis hierhin hatte ich auch immer noch Empfang aus Usbekistan.
Es begann ganz lächerlich mit einem 33$ teuren Covid-Test (!!!!!!!!!) Ehrlich gesagt, jeder Fünftklässler hat da besser in der Nase gepuhlt als der! Ich schätze, Turkmenistan ist das einzige Land weltweit, das den Mist noch macht. Beim Abendessen haben wir gehört, am Flughafen wird er nicht gemacht, aber abkassiert. Dann durften wir zahlen, 104$ für alles mit Visum, Gebühren und was weiß ich nicht alles. Nach langem Warten gab es dann endlich das Visum und den Stempel in den Pass. Land #98, Halbzeit in meiner Zählung mit 196 Ländern! Nun sollte noch das Gepäck durchleuchtet werden, aber in dem Moment ging der Strom aus.
Die Durchleuchtung entfiel und es wurde – erstaunlich leidenschaftslos für die angeblich strengen Kontrollen – halbherzig in die Rucksäcke gekuckt. Und schließlich nach drei Stunden und weiteren drei Blicken auf das Visum waren wir durch und wurden von unserem Fahrer und dem 4x4 empfangen.
Merjen schlug vor, dass wir zunächst zu einem Museum fahren, das nicht im Programm enthalten ist. Dort angekommen hätten wir umgerechnet etwa 10$ zahlen sollen, aber Dollar wurden nicht genommen. Merjen wirkte verwundert, dass wir keine Manat, die lokale Währung hatten, was meinen Eindruck bestätigte, dass sie bisher nur Touris am Flughafen in Ashgabat in Empfang genommen hatte. Da die Ausfuhr verboten ist, kann man die ja auch nirgends bekommen und Geldautomaten gibt es auch nicht.
Wir entschieden uns dann gegen das Museum, mir erschien es eh nicht wirklich interessant und außerdem wollten wir lieber früher weiter, wir hatten einen langen Weg auf schlechten Straßen vor uns.
Die weitere Suche nach einem Geldwechsler zog sich dann auch, aber unser Fahrer war erfolgreich und wechselte auf dem Schwarzmarkt 1$ in 15 Manat. Offizieller Kurs ist 3,5 Manat! Das hätte das anschließende Mittagessen dann aber direkt teurer gemacht als in Deutschland. Wir gingen in ein sehr international wirkendes Restaurant und ich fiel komplett vom Glauben ab, als ich die Barista-Maschine sah. Außerdem standen Coca Cola und Red Bull auf der Karte, die man hier angeblich auch nicht bekommt. Dem Müll am Straßenrand nach stimmt das auch, da liegen viele Flaschen, aber nicht von bekannten Marken. Ich bestellte jedenfalls Cappuccino, griechischen Salat und Pommes, wirklich sehr gut. So kostete mich das etwa 7€, mit dem offiziellen Kurs wären wir arm!

Nachdem wir alle gestärkt waren, ging es zurück in den fahrenden Kühlschrank. Silje liebt AC, das ist der einzige Haken. Sie saß im T-Shirt mit allen Gebläsen auf sie neben mir, während ich mit Hoodie und Kapuze überlegte, wie ich mein Gesicht aus dem Wind bekomme… Nach etwa einer Stunde Fahrt Richtung Westen ging es nach Süden weiter und nun hatte ich zumindest Sonne auf einer Seite. Und irgendwie schafften wir es dann doch, dass ich aus dem Wind war.


Nun wurde die Straße von Kilometer zu Kilometer schlechter. Breit genug wie eine deutsche Autobahn ist sie ja, Quantität statt Qualität. Phasenweise wichen wir auf Sandpisten direkt durch die Wüste aus, weil die Straße so schlecht war. Und es ist die Hauptstraße, die bis an die iranische Grenze und in die Hauptstadt führt!

Ich war sehr froh, dass wir nicht im Museum waren, denn auch so war es kurz nach fünf bis wir unser Tagesziel und für mich vermutlich das Highlight von Turkmenistan erreichten: Das Tor zur Hölle, in dem es seit über 50 Jahren brennt, den legendären Derweze Krater.

Warum auch immer, vielleicht hat einer seine Zigarette reingeworfen, auf jeden Fall strömt hier seit Ewigkeiten Gas aus und kann nicht mehr gelöscht werden. Ginge es nach der Regierung, wäre das Feuer schon längst gelöscht, denn es zieht Touris magisch an und keine Touris wären denen hier deutlich lieber.

Wir hielten direkt am Krater, außer uns waren wahrscheinlich 20 weitere Leute hier. Insgesamt würde ich auf 80 Touris hier schätzen. Das Ding ist echt der Wahnsinn, wenn man auf der Windseite steht, kommt immer mal ein richtige heißer Wind.
Wir schossen die ersten Fotos und natürlich durfte hier auch das obligatorische nicht fehlen, nicht dass ich wieder Ärger bekomme…

Dann fuhren wir die wenigen Meter zum Camp, mit Laufen hat Merjen es nicht so… Wir checkten ein und bekamen, warum auch immer vom Campleiter eine Luxusjurte mit eigenem Bad, kein Witz! Verbunden über einen kleinen Gang geht’s zu Dusche und Toilette.

Wir stellten unsere Sachen ab, sprangen in die Flipflops und liefen ca. 5 Minuten zum Krater zurück. Dort blieben wir dann bis acht, mit zunehmender Dunkelheit wurde das Bild immer schöner. Und ich machte die ersten beiden Geocaches hier.

Es kamen immer noch Autos an, ich war echt froh, dass wir früher da waren. Merjen wollte ja unbedingt das Museum machen, weil wir sonst viel zu früh ankommen würden, aber das war definitiv nicht der Fall.

Um acht liefen wir zum Abendessen, wo wir uns den Tisch mit zwei netten Ü70 Amis teilten, die ihren Präsidenten zur Flucht und für viele Reisen nutzen… Dazu gab es ein lokales Bier für stolze 60 Manat. Echt lustig, mittags erzählt sie uns, es gäbe gar keinen Alkohol hier, abends fragt sie uns, ob wir ein Bier wollen…

Dann ging es noch einmal zum Krater, jetzt in absoluter Dunkelheit. Dank der Sonnenuntergangsfunktion auf der Kamera sah der nochmal toller aus.

Wobei die tatsächlichen Farben auf dem Handy auch nicht ganz rauskommen, es war schon noch oranger…

Zurück im Camp duschte ich schnell mit wenig Wasser, dann begann ich noch ein bisschen mit dem Blog, gegen halb 11 gingen wir dann in die Jurte und ins Bett.

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