07.08.25 - Wanderung zum Big Almaty Lake

Heute Nacht hab ich richtig gut geschlafen. Um sieben war ich wach, bin aber erst um 8 aufgestanden, vorher gibt’s eh kein Frühstück. Vegetarierfreundlich ist das mal nicht, beide Omelettpfannen waren mit Schinkenstreifen garniert und auch in das salatähnliche Zeug, das es gestern gab, schmeißt man totes Tier… So hielt ich mich wieder an das schwabbelig Warme, heute schien es ein sehr flüssiger Grießbrei. Mit etwas Melone drin ok.

Danach machte ich mich startklar und lief zur nächsten großen Straße, wo ich schon in einen Bus steigen konnte. Der brachte mich genau dorthin, wo der Bus nach Kökshoki abfuhr, dem Ort, wo meine heutige Tour starten sollte. Das Timing war perfekt, der 2. Bus kam direkt nach mir an und in beiden bekam ich sofort einen Sitzplatz. In dem kleinen Ort an der Endstation stand schon die Taxiflotte bereit und für 1000 Tenge wurde ich zum „Touristic Center“ gebracht. Preise sind immer lustig, ich kann fragen, was etwas kostet, verstehe aber keine großen Zahlen. Blöd bei einer Währung, bei der 1€ = 600 entspricht… Die Fahrt im Taxi ersparte mir 5km entlang der Straße steil bergauf.


Um zehn Uhr war ich dann am Startpunkt meiner heutigen, insgesamt 16km langen Tour. Zunächst ging es nochmal 3km die Straße lang, dann war diese aber für echten Verkehr gesperrt. Für die Lauffaulen gab es aber Alternativen mit E-Motor: Quads, Motorroller, E-Bikes (aber keine, bei denen man treten muss). Ein echtes E-Bike hätte ich ja noch eingesehen, die Straße war echt steil, aber diese Mogelpackungen gingen für mich zu weit 😉Die Touris wurden dazu ausgestattet (wer wollte und die meisten wollten anscheinend) wie zu einer Expedition in unwegsames Gelände: Ellenbogen- und Knieschoner auf Bikes und Rollern, Rückenprotektoren auf Quads, teils dazu noch lange Schutzkleidung. Lächerlich, es handelte sich um eine gut geteerte, fast schlaglochfreie Serpentinenstraße… Immerhin, einen echten Radler sah ich auch!


Für die mutigen Fußgänger gab es aber eine coole, wenn auch sehr schweißtreibende Alternative. Der Pfad führt nämlich neben einer dicken Wasserleitung hoch, die unten zu einem Kraftwerk führt. Schöner Nebeneffekt: die Röhre war eiskalt, angenehm zum Abkühlen zwischendurch.


Nach einer Stunde Fußmarsch in noch recht flachem Terrain (mit 300 Höhenmetern) ging es nun nach einer Banane richtig los. Die ersten knapp 100 Höhenmeter zeigte Komoot eine Steigung von über 40% an (ab 20% ist dort alles schon dunkelrot steil, mehr gibt’s nicht…). Rückwärts hab ich nachgemessen, 38° Röhrenneigung. Diese ersten Meter waren mit Abstand die anstrengendsten. Zum Glück gab es Stufen, die aber nur aus max. 4 quer verlaufenden Metallstangen bestanden. Runterwärts sehr tückisch, da konnte man überhaupt nicht erkennen, wo eine Stufe aufhört.




Das Schöne an dem Weg war, dass es von jetzt an eigentlich immer nur flacher wurde. Weit weg von flach, aber mit jedem Abschnitt etwas mehr.Im Internet schreiben viele, der Weg wäre nicht schön, mir gefiel er aber irgendwie. Leider lag aber auch ziemlich viel Müll rum, schade dass man volle Flaschen hoch, aber leere nicht wieder runtertragen kann…


Nach einer weiteren Stunde war der schlimmste Teil geschafft, nun ging es einfach nur „angenehm“ bergauf. Schließlich gelangte ich wieder auf die Straße, die ein Stück fast flach dahin ging. Dann gab es noch zwei steilere Strecken, mit denen man die Serpentinen abkürzen konnte und schließlich führte ein letzter steiler Pfad zu dem auf gut 2500m gelegenen Big Almaty Lake. Die Straße führte woanders hin, auf die andere Seite des Damms. Den durfte man aber nicht überqueren, dafür sorgte ein ganz wichtiger Typ in Tarnkleidung. Nicht wirklich einleuchtend, aber gut, so waren auf dieser Seite des Sees auch nur die Fußgänger und damit sehr wenige Leute.


Nach ziemlich genau drei Stunden und 800 Höhenmetern insgesamt stand ich nun also hier oben und wurde mit einem wunderschönen Blick auf den See belohnt. Wobei, so Big ist der eigentlich gar nicht, zumindest fehlen ihm dazu einige Meter an Wasser, auf der Karte ist er größer eingezeichnet.


Meine 1,5l Wasser waren übrigens leer, ich finde es immer spannend, wenn einem bei sowas Leute ohne Rucksack und mit einer kleinen Wasserflasche in der Hand begegnen… Ich hatte noch 1l in meiner Flasche für den Rückweg, war dann aber auch vor dem Hostel leer!


Der ging deutlich schneller, wie zu erwarten. Auch die meisten steilen Passagen waren gut machbar, entweder gab es größere Steine, auf die man sicher treten konnte oder in steileren Abschnitten eine Betonspur direkt neben der Röhre mit Drahtseil zum Festhalten. Raufwärts hab ich das umgangen, runterwärts ging es angenehm schnell.

Krass fand ich, wie viele Leute mir da noch entgegenkamen. Immerhin war es schon nach 2 und auch im unteren steilen Abschnitt war noch viel Gegenverkehr. Inklusive einer Familie mit zwei Kindern, von denen eines schon hier getragen werden wollte. Unverantwortlich, wie ich finde, zumal der Himmel immer weiter zuzog und es im steilsten Abschnitt auch leicht zu regnen begann.

Ich kam noch trocken runter, aber die „Stufen“ wurden schon echt rutschig. Unten regnete es dann so viel, dass ich Schirm und Rucksackhülle auspackte, war aber nach wenigen Minuten vorbei. Die letzten Kilometer die Straße entlang zogen sich noch etwas, aber schließlich war ich nach insgesamt 6h mit Pausen wieder am Startpunkt.

Mein Magen schrie nach einem Snack und an einer „Bakery“ entdeckte ich ein Bild mit dünnen Teigfladen und Käse dazwischen. Das wollte ich. Leider war es ausverkauft und da mein Magen keine Ruhe gab, überzeugte er mich von einem weitaus größeren Khachapuri (dieses georgische Ding mit Käse und Ei). Dieses kam dann in einem Pizzakarton, das Essen mit den Fingern war nicht so einfach. Aber mein Magen war glücklich. Einen Teil der dicken Ränder, die auch gefüllt mit Käse waren, packte ich in Servietten und meinen leeren Camelbag, zu schade zum Wegwerfen.

Auf dem rappelvollen Parkplatz – traurig, aber die meisten Leute schaffen es nur bis hierher oder machen am Straßenrand Picknick neben dem Auto – erwischte mich ein Taxifahrer. 2000 wollte er, ich handelte ihn auf 1000 plus 5 Minuten Wartezeit runter, in denen er zwei weitere Passagiere fand. Win win. Zurück im Ort stand der Bus schon bereit, ich bekam den letzten freien Sitzplatz, es läuft!

Das Umsteigen in den anderen Bus war dann aber komplizierter. Es schien die Endstation zu sein. Zwei Busfahrer redeten auf mich ein und wollten mir verklickern, dass das nicht der Bus wäre. Taxi und zu Fuß hab ich auch noch verstanden. Idioten, ich überquerte die riesige Straße und lief zur nächsten Haltestelle, wo ich gerade noch den Bus erwischte. Denselben Bus, nicht den gleichen! Vielen Dank auch! Naja, ich kam zurück zu meiner Haltestelle, grüßte im Austeigen freundlich (den deutschen Text versteht hier ja keiner) und lief noch zu einem Café. Ein Cappu musste dringend her, sonst würde ich direkt (es war gerade mal 6) ins Bett fallen. Ok, nach einer Dusche tat ich das auch, zum Blogschreiben war ich echt zu faul. Aber immerhin verbrachte ich die Zeit bis 10 etwa noch in einem wachen Zustand, den ich für diverse Organisationen nutzte.

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