05.09.25 - Über alte Ruinen nach Khiva
Heute Nacht hab ich recht gut geschlafen. Wider erwarten nämlich bei offenem Fenster und ohne AC. Um acht stand ich auf, packte zusammen und kaufte im nahen Supermarkt Obst, Brot und Käse für den Tag.
Nach einem kurzen Plausch mit einem weiteren Radfahrer (von Portugal nach Neukaledonien…) wurde ich um neun von meinem Fahrer abgeholt. Er war nett, aber absolut überaufmerksam. Machte ich das Fenster 1cm hoch, fragte er, ob ich es zumachen will und die AC anmachen. Obwohl ich ihm mehrfach beteuert habe, dass ich AC nicht mag, dafür aber den Fahrtwind, fragte er ständig, ob es nicht zu windig wäre, ob ich müde bin und den Sitz zurückmachen, … Aufmerksam, aber too much.
Es ging nach heute Khiva, allerdings mit Stopp bei vier verschiedenen uralten Lehmruinen. Die Gegend wird irgendsowas wie 50 Burgen (Städte, Schlösser???) genannt, wobei die Zahl nur eine grobe Schätzung ist, aber sie bildeten quasi die Grenzlinie zwischen den Mongolen in der Steppe und Wüste im Norden und dem fruchtbareren Land und den Städten der Seidenstraße im Süden.
Nach einer dreiviertel Stunde erreichten wir den ersten Stopp, Chilpiq Qala, wobei Qala wohl so was wie Stadt heißt. Das trifft es hier nicht ganz, es handelte sich um eine 2000 Jahre alte zoroastrische Begräbnisstätte. Wobei das auch nicht stimmt, denn hier wurden die Toten oben auf dem Berg abgelegt, damit Sonne und Vögel alles außer den Knochen abfressen und die Erde nicht dadurch verschmutzt wird.

Schon beeindruckend, dass Lehmmauern so lange überleben können, auch wenn ein bisschen natürlich restauriert und stabilisiert wurde.

Nun ging es eine Stunde weiter Richtung Osten, nächster Stopp war Qizil Qala. Im Gegensatz zu den anderen Locations thronte es nicht auf einem Hügel, sondern war einfach im flachen Land.

Auch hier sind die Außenmauern erneuert, aber der obere Teil ist noch original. Hier suchte ich mir ein schattiges Plätzchen und aß mein Käsebrot, war auch schon kurz vor zwölf.


Nummer 3, Topraq Qala, war das beeindruckendste. Das war mal eine ganze Stadt und es steht davon auch noch relativ viel, also zumindest ein Teil der Mauern, die aus viel Sand herauskucken.

Undenkbar bei uns, aber man kann einfach überall drauf rumtrampeln und abgesperrt ist auch nix. Dabei sind einige Lehmböden eigentlich nur Decken von Räumen darunter und wirken nicht wirklich stabil, wenn man das #ganze von unten betrachtet…

Hier war es ganz schön touristisch überlaufen, mit mir zählte ich sieben Touristen und weitere vier waren im Anmarsch, als ich zum Auto zurücklief!

Letzter Stopp war Ayaz Qala. Das bestand ursprünglich wohl aus drei Festungen, von denen heute noch zwei stehen und die oberste zugänglich ist.

Von außen betrachtet sehr spektakulär und hier sieht man wirklich die Grenze zwischen Wüste und grünerem Land.

Innen steht nix mehr, es ist nur eine riesige sandige Fläche, aber die Aussicht ist klasse.

Von hier aus ging es nach Khiva, dauerte aber noch gut eineinhalb Stunden bis wir dort waren. Mein Guesthouse Garden Palace ist Google völlig unbekannt, aber ich konnte es halbwegs lokalisieren und dann auch finden. Auch wenn mein Fahrer der Meinung war, dass ich dringend Hilfe bräuchte, schaffte ich es ganz alleine. Es liegt eigentlich ganz schön, nicht direkt an der Straße und hat einen großen Garten. Ich hab hier mal auf den Namen gesetzt, denn auf Booking gibt es ungefähr 30 Fotos von gleich aussehenden Zimmern, aber nicht eines von draußen…
Ich hab ein schönes Zimmer mit eigenem Bad, alles sehr sauber. Einziger Haken, das Wlan ist richtig scheiße und weder draußen noch in meinem Zimmer ansatzweise zu verwenden. Hat ungefähr fünf Minuten gedauert, jetzt draußen wordpress auch nur zu öffnen. Von Fotos hochladen ganz zu schweigen, geht gar nicht. Hoffe mal, mein Datenvolumen am Handy hat noch Luft für die nächsten Tage…
Ich packte um, dann lief ich erstmal Richtung Innenstadt. Die ist hier klar durch die Stadtmauer eingegrenzt, aber das nächste Tor ist ungefähr 500m von mir entfernt. Der erste Eindruck: Absolut leer abseits der Touristenpfade, eine reine Shoppingmeile auf den Pfaden. Und ganz schön teuer! Bisher gab es überall für gut 2€ einen Cappu, wenn nicht sogar einen doppelten. Hier ist man mit 3€ am Start. Auch die Eintrittspreise sind hoch, man zahlt 17€ für ein Stadtticket, gültig für 2 Tage, wobei dann z.B. die Stadtmauer und der höchste Aussichtsturm nochmal ordentlich extra kosten. Schon krass, da die Stadt am weitesten ab vom Schuss liegt und somit doch nicht von allen überhaupt besucht wird.

Ich fand ein Café mit diesen bequemen Liegen, wo ich für die nächsten eineinhalb Stunden bestimmt liegen blieb. Da ich hier noch drei Tage habe (definitiv einer zu viel, deswegen hatte ich ja auf das Wlan gesetzt, um etwas sinnvolles machen zu können), wollte ich heute nix mehr machen.

Danach schlenderte ich eine Runde durchs Zentrum. Um halb 8 traf ich mich mit Alex und Janosch zum Abendessen, dabei waren auch noch zwei Polen und eine Italienerin, die wir am Aralsee schon getroffen hatten. Die hatten alle eine Walking Tour gemacht und einen tollen Restauranttipp außerhalb der Stadtmauer bekommen. Das Essen war wirklich lecker und die Babykatze war richtig süß.

Ich wusste ja nicht, dass es Leute gibt, die vor Babykatzen Angst haben (aber nicht vor riesigen Hunden), wurde aber eines Besseren belehrt, als die Italienerin aufsprang, weil das kleine handtellergroße Fellknäuel sich ihr näherte. Dabei hatte das kleine Vieh mindestens genauso viel Angst bei dieser Reaktion… Die andere Tischhälfte um mich rum sorgte dann für Ruhe, indem wir die Katze knuddelten und von Exkursionen auf die andere Seite abhielten.

Nach dem Essen lief ich dann zurück zum Guesthouse, duschte und sprang ins Bett, war auch schon 10. Deshalb auch der Blog mit Verspätung. Mal sehen, ob ich jetzt noch irgendwie Bilder dazu bekomme…
Comments
Post a Comment