04.09.25 - Durchs wilde Karakalpakstan
Auch heute hab ich richtig gut geschlafen, es war aber deutlich kälter als gestern, so dass ich etwas mehr Bedeckung gebraucht habe. Um dreiviertel 7 stand ich auf, packte und ging frühstücken bzw. was für später einpacken. Um kurz nach halb 8 waren wir unterwegs.

Heute ging es eigentlich den ganzen Tag über dieses Ustyurt Plateau Richtung Süden. Es gab viele Fahrspuren nebeneinander oder ineinander, da dachte man manchmal, man sieht alles doppelt. Und die waren ziemlich gut, so dass wir teils mit bis zu 80km/h entlang brettern konnten.

Wir hielten zunächst an einem Dorf mit 40 Häusern (und sogar einer Schule), das nur existiert, weil daneben ein Gasförderturm steht. Unglaublich, dass hier wirklich Menschen leben unter einfachsten Bedingungen. Es sah so aus, als ob hier auch einige der alten Schiffe gestrandet sind und jetzt als Gartenzaun Verwendung finden. Früher gab es hier sogar einen Flugplatz und Lebensmittel kamen per Luftpost, heute nur noch auf dem langen Weg per Auto.

Als nächstes hielten wir in Urga. Bis in die 60er Jahre ein florierender Fischerort, dann aber aufgegeben. 48000 Tonnen Fisch wurden pro Jahr aus dem Aralsee rausgeholt und v.a. auf der nahen Eisenbahntrasse nach Russland geschickt. Neben Moynaq waren Urga und Aralsk (jetzt Kasachstan) die Hauptfischerorte.

Der jetztige Sudochie See wurde wohl schon sehr früh durch den sinkenden Wasserpegel vom Aralsee abgeschnitten. Heute ist es noch ein kleiner See, der Dank Zufluss aus Turkmenistan auch nicht versalzen ist. Es gibt noch Fische und auch Flamingos leben hier.

Und ein altes Männchen, das immer noch vom Fischfang lebt. Und davon, Touris in seinem klitzekleinen Boot durch einen kleinen sehr flachen Wasserarm in den See zu schieben. Gesehen hat man nicht viel, nur die Flamingos sehr weit weg.

Aber war trotzdem ganz nett und für die Schwerstarbeit wollte er gerade mal 3€. Die Fahrt auf seinem uralten Motorrad (keine 500m) war natürlich auch im Preis inbegriffen.


Auf der weiteren Fahrt hielten wir noch für ein Foto an einem ähnlich aussehenden, aber deutlich größeren See.

Und schließlich mitten im Nichts stand eine interessante Kombination aus Traktor, Wohnwagen, Wassertank und drei alten Männlein (zwischen 55 und 79). Es waren wohl moderne (?????) Nomaden. Was ich verstanden habe, haben sie Kamele und ziehen jeden Monat ein Stück weiter.

Wir wurden eingeladen, uns kurz zu ihnen zu setzen und gegorene Kamelmilch zu probieren. Schmeckte ein bisschen wie flüssiger Schafskäse.

Dann ging es zu unserem letzten Stopp, dem Barsakelmes Salzsee, dem Überbleibsel eines vorzeitlichen Ozeans. Im Gegensatz zur Salar de Uyuni darf man hier aber nicht ganz ran oder gar drauf fahren, das dürfen nur die LKWs der Firma, die das Salz abbaut.

Aber wir durften hinlaufen. Es sah weit aus, waren aber tatsächlich nur 20 Minuten. Dann begann das Fotoshooting. Ich hatte den beiden anderen gezeigt, was da so in Bolivien aufgefahren wird und wir hatten immerhin eine Coladose im Gepäck, die musste reichen.

War echt witzig, wenn auch eher so Try & Error, v.a. da wir durch die Sonne quasi gar nicht gesehen haben, was wir fotografierten. Am Ende kam aber doch was witziges raus.


Es war schon kurz vor drei, als wir am Auto zurück waren. Nun ging es über weitere staubige Pisten zurück zur Zivilisation, die wir auf der schnurgeraden Straße fanden, die nach Kasachstan führt. Da waren ziemlich viele LKWs unterwegs. Gegen vier erreichten wir dann den Platz fürs Mittagessen. Wurde bei mir dann gleich das Abendessen, ich brauche heute nix mehr. Dort gab es auch Wifi und es startete ein reger Fotoaustausch. Dann ging es auf die letzte Etappe – zumindest für mich – nach Nukus, wo wir gegen halb 7 ankamen.
Wir verabschiedeten uns voneinander und von unserem tollen Fahrer, der uns fast 900km sicher durch die Pampa gefahren hat. Dann bezog ich meinen Dorm, wo nur ein Bett (mein Albtraum, direkt unter der AC) belegt ist. Und es ging direkt unter die Dusche und für meine Klamotten in die Dreckwäsche. Der Salzsee zum Schluss hat meiner Hose den Rest gegeben, da wir zum Fotografieren direkt im Salz saßen. Die steht nun von alleine… Brauche dringend eine Waschmaschine an meinem nächsten Stopp…
Jetzt sitze ich im Innenhof, es ist acht Uhr, um mich rum sind nur Verrückte! Sechs Radfahrer! Einer ist seit zwei Jahren unterwegs, ist jetzt auf dem Rückweg von Australien, ein paar kommen aus Portugal… Crazy!!! Da kommt man sich so normal vor, einfach so, sechs Wochen mit Rucksack und nach drei Tagen mit Jeep in einer lebensfeindlichen Umgebung!
Ich muss sagen, ich bin verdammt froh, dass ich die Tour zum Aralsee gemacht habe, und noch mehr, dass ich mich für drei Tage entschieden habe. Es ist echt einzigartig, wunderschön und irgendwie bedrückend zugleich. Und eine Abwechslung zu all den protzigen Städten der Seidenstraße, die doch irgendwie alle gleich sind. Lieber eine dieser Städte weglassen, wenn die Zeit nicht reicht, aber der Abstecher zum Aralsee ist es wirklich wert!
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