24.12.24 - Frohe Weihnachten aus Fès
Nach einer Zeitlang Husten schlief ich heute Nacht ziemlich gut, war aber wieder sehr früh wach. Dabei musste ich doch erst um halb 9 aufstehen. Ich las ein wenig und ging dann um neun einen Kaffee trinken und ein klein wenig frühstücken. Um halb 10 starteten wir mit unserem Bus und dem heutigen Guide Hisham.
Zunächst
ging es nicht weit, denn unser erster Stopp war der Königspalast, der älteste
in Marokko, denn Fès war auch die erste Königsstadt hier. Offensichtlich machen
wieder einmal alle Tourbusse die exakt gleiche Reihenfolge, es war wirklich
voll. Als ich vorhin auf meinem Heimweg allein dort vorbeikam, war es fast
komplett leer.
Der
Palasteingang besteht aus sieben Türen, eine für jeden Tag.
Dann schlenderten wir durch das nahegelegene jüdische Viertel. Nahegelegen deshalb, weil der muslimische König die Juden zur Zeit der spanischen Inquisition beschützte. Auch hier entdeckte ich auf meinem Heimweg eine schönere und autofreie Straße. Von dort fuhren wir zu einem Aussichtspunkt über die Stadt. Wirklich ganz schön groß!
Danach
ging es dorthin, wo Keramik und Mosaike hergestellt werden. Shoppingtime 😏Zunächst sahen wir die Tonverarbeitung,
nicht wirklich etwas Neues, das wird einem überall gezeigt. Wesentlich
interessanter fand ich dann doch die Herstellung der verschiedensten
Mosaik-Produkte. In mühevoller Kleinstarbeit werden die Ministeinchen auseinandergeklopft.
Und dann falschrum zusammen gepuzzelt, ob alles richtig sitzt, sieht man erst,
wenn es zu spät ist.
Auf
den Verkaufsraum verzichtete ich und setzte mich lieber mit Kevin draußen in
die Sonne, die t-shirt-warm auf uns herunterschien. Es war schon kurz vor 12,
als es dann endlich in die Medina ging. Die ist riesig, noch heute leben dort
70000 Menschen, und lädt zum Verlaufen ein. Was auch mein Plan war, auch wenn
Hamid darauf bestand, dass wir keinesfalls vor Hisham oder hinter ihm laufen
sollten, es wäre ach so gefährlich.
Wir
liefen durch wirklich enge Gassen, in denen man beide Wände berührte. Angeblich
gibt’s 40000 Sackgassen, keine Ahnung, wer die alle gezählt hat…
In
jeder Gasse gibt’s was anderes zu kaufen. In einer sogar Arschlöcher! Kein
Witz, habs leider nicht fotografiert, dachte, da kommen noch mehr. Da hingen
gehäutete hintere Hälften von Lämmern (?), falschrum, sodass der Schwanz
runterbaumelte und den Blick freigab…
Nicht
ganz so beeindruckend war im Vergleich die Gasse mit den Färbereien, auch wenn
die Jungs bis zum Ellbogen dunkelblaue Arme hatten.
Dann
gingen wir in eine Madrassa, das ist wohl eine alte Art Schule. Hier gabs ein
paar lustige Fotos von Fenster zu Fenster.
Der nächste Punkt war die größte Gerberei Marokkos. Als „Ticket“ bekamen wir einen Minzzweig, damit ließen sich die üblen Gerüche überdecken. Für die Seelöwen in Namibia wäre das auch eine Option gewesen. Ich fühlte mich ein bisschen erinnert an die größte Wäscherei der Welt in Mumbai, aber dort roch es deutlich besser…
Wir
wollten die Satschüsseln zählen, aber das war unmöglich…
Nach
einer weiteren Shoppingoption für alles, was sich aus Leder machen lässt, liefen
wir durch die engen Gassen und wurden in einem Restaurant abgesetzt. Dunkel,
ziemlich kalt und es gab nur Menüs mit Vor- und Nachspeise. Es gab eine Veggie-Variante
für stolze 15€. Dann kam der Kellner und meinte, Discount, alles würde 15€
kosten, auch die teuren Gerichte für 25… Da kam ich mir dann doch etwas vera…
vor.
Es half nichts, das Angebot lachte mich definitiv nicht an und ich wollte ja sowieso verloren gehen, also nutzte ich die Gelegenheit und machte mich vom Acker. Fès stellte sich auch allein als gar kein Problem heraus. Gerade ein einziges Mal wollte mich einer in seinen Shop schleppen. Ansonsten nur freundliche Menschen, die ein Nein sofort akzeptierten.
Fun fact: Obwohl Hamid ja so darauf bedacht war, dass wir bloß nicht auf dem Weg verloren gehen, fiel ihm erst am Bus auf, dass einer fehlte... Zwei Stunden nach dem Lunch, wie die anderen berichteten. Und die dachten alle, irgendein anderer hätte ihm gesagt, dass ich weg bin, weil er nach dem Essen nichts gesagt hatte... Soviel dazu... Den Berichten nach hab ich das echt gut gemacht, das Essen dauerte wohl ewig und die Hälfte hat auch nicht mal was gegessen, weil sie es genauso sahen wie ich. Vermutlich flüchte ich das nächste Mal in einer größeren Gruppe...
Auf
eine Karte kann man sich nicht so wirklich verlassen, aber immerhin auf eine
grobe Richtung und so entdeckte ich plötzlich ein kleines Schild, das für ein
Restaurant mit Dachterrasse warb. Jackpot. Klein, schnuckelig, netter Kellner,
super Ausblick und leckerer Couscous mit Gemüse zu einem vernünftigen Preis (9€
mit Saft und Trinkgeld)…
Gestärkt
lief ich weiter auf der Suche nach dem Geocache in diesem Labyrinth. Der war
aber gut gemacht und mit Bildern ließ sich der Weg auch ohne GPS-Empfang gut
finden. Nun war es schon fast halb 5 und ich machte mich gemütlich auf die 4km
zurück zu unserem Hotel.
Die erwiesen sich als äußerst kurzweilig, ich lief durch die neuere Stadt, die aber der alten sehr ähnlich ist, nur dass die Gassen deutlich breiter sind. Immer wieder stößt man auf eine der verschiedenen Stadtmauern und hübsche Tore, die hindurch führen.
Kurz
vor meinem Ziel kam ich auf eine sehr breite Straße mit parkähnlichem Grünstreifen
in der Mitte, an der es reichlich Cafés gab. Die auf der Schattenseite waren
gut besucht, meines in der Sonne komplett leer. Zumindest außen… Ich fand die
ca. 20° super angenehm, es ließ sich gut im T-Shirt aushalten, und der
Cappuccino war auch gut.
Auf den letzten Metern ins Hotel kaufte ich noch etwas Obst für morgen. Gegen halb 6 war ich wieder zurück und startete einen kurzen Weihnachtsanruf zu meinen Lieben zu Hause. Die waren gerade schon im Auspackstress. Ich verzog mich auf mein Bett, checkte die Bilder des Tages und begann schon mal mit dem Blog. Zum Abendessen wollten wir uns erst um halb 8 wieder treffen.
Insgesamt zu acht starteten wir zu Soufian, dem Kellner unseres Vertrauens. Alle von gestern plus Chris, die sich uns anschloss. Wir bekamen einen großen Tisch im oberen Bereich und waren heute fast die einzigen Gäste, somit ging es wesentlich schneller als gestern.
Hier von links nach rechts: Kevin, Barbara, Daniel,ich, Flurin, Brigitt, Corinna und Chris. Die beiden vorderen aus Wales, hinten Schweiz und Deutschland.
Ich hatte wieder einen leckeren Saft, dazu Pasta mit Gemüse und Büffelmozza und dann gönnte ich mir als Nachtisch einen heißen Caramel-Cookie mit Eis. Überragend, ein richtiges Weihnachtsdinner für uns Weihnachtsflüchtlinge 😂 Soufian war auch mehr als begeistert und umsorgte uns königlich, es gab sogar am Ende Minztee für alle. So kann ein toller Tag zu Ende gehen.
Jetzt ist es zehn, wir sind zurück im Hotel. Ich geh jetzt noch in die Dusche und dann vollgefressen ins Bett. Morgen fahren wir ein ziemlich weites Stück nach Süden bis nach Midelt, bevor es dann in die Wüste geht.
Schöne Weihnachtstage noch nach Hause, lasst es euch gutgehen!!!
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