29.08.25 - Ausflug aufs Land
Heute hab ich endlich gut geschlafen. Man kann sich also auch oben umdrehen ohne dass unten ein Erdbeben entsteht! Manchmal möchte ich meinen Dorm-Kollegen gerne eine Google-Bewertung geben, manche sind einfach ungeeignet, um sich mit anderen Leuten ein Zimmer zu teilen… Um sechs war ich wach, schlief aber dann später doch nochmal ein und bis Viertel 9. Heute klingelte auch kein Wecker von jemandem, der schon im Bad war und ihn nicht ausgeschalten hatte…
Ich machte mich fertig und ging zusammen mit zwei netten Mitschläfern aus Japan und England frühstücken. Danach lief ich zur Straße und fuhr mit einem Yandex zum Observatorium von Ulugbek (Timurs Enkel). Rein wollte ich gar nicht, es soll nicht so toll sein. Mir reichte ein Blick von außen und der Cache im Park davor.

Dann lief ich zwanzig Minuten stadteinwärts zur ältesten menschlichen Siedlung in Usbekistan, seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. lebten hier Menschen. Allerdings wurde das alles auch von Dschingis Khan niedergebrannt. Heute kann man nur noch erahnen, was hier einmal war.

Etwas mehr zu sehen gibt es dann noch im Museum daneben. Hier gibt es viele alte Tongefäße und das Highlight, uralte Wandmalereien, die in einem 11x11m großen Raum gefunden wurden. Sie wurden so gut wie möglich freigelegt und sind jetzt quasi wieder in Originalanordnung zu sehen.

Als ich alles gesehen hatte, nahm ich mir ein Yandex zurück ins Zentrum und direkt zu meinem Coffeedealer, wo ich mich mit einem guten Cappuccino stärkte. Danach lief ich zurück Richtung Hostel, machte aber noch einen Abstecher auf den Markt. Dort hatte ich gestern so ein lecker aussehendes Brot entdeckt. Mit dem ging es dann ins Hostel, wo ich gegen halb 1 ankam. Zeit für Siesta und einen Blog-Anfang, da ich heute Abend wohl erst später zurückkomme. Das Brot war in der Tat lecker, ziemlich fettig, fast wie Blätterteig, und mit Zwiebeln drin. Danach lag ich bis um drei im Bett und hab gelesen.
Dann ging es auf eine kleine Tour, die sich gestern spontan ergeben hat. Yusuf, der hier im Hostel arbeitet, organisiert sie auf eigene Faust. Zusammen mit Lukas (aus Dresden) ging es los. Ziel war das Dorf, in dem Familie von ihm wohnt, sodass wir ganz echt und ohne andere Touris in das Leben auf dem Land reinschauen konnte.
Zunächst ging es mit dem Bus an den Stadtrand, wo ich einem alten Opi meinen Sitzplatz überließ und er mir dafür seine Sammlung deutscher Worte präsentierte. Dann ging es mit zwei verschiedenen Sammeltaxis weiter bis in das Dorf, dessen Namen nicht mal Google kennt.
Zunächst besuchten wir das Haus seines einen Onkels, recht geräumig und es gibt drei – wenn auch billige – Autos. Ich frag mich immer, woher die das Geld nehmen. Von ein bisschen Kirsch- und Weintraubenverkauf eigentlich nicht. Einige Usbeken gehen wohl nach Russland zum Arbeiten. Wir durften quasi in jedes Zimmer kucken und auch durch den ganzen großen Obstgarten.

Eine Ziege, eine Kuh und ein paar Hühner gibt’s auch. Besonders interessant ist, dass es in jedem Haus einen besonders schönen Raum gibt, der aber nur für Gäste benutzt wird. Da die aber unangemeldet kommen – sonst würden die Gastgeber sich ja ewig mit den Vorbereitungen auslassen – ist der Raum dauerhaft für Gäste vorbereitet, Gläser stehen z.B. schon auf dem Tisch bereit.

Highlight für mich war allerdings die zuckersüße Babykatze, auch wenn der Titel für die Katze des Jahres ja schon in Marokko vergeben wurde. Die kuschelte sich bei mir ein, während wir draußen mit Obst (Weintrauben frisch von über uns) und Brot bewirtet wurden.


Danach fuhren wir zu einem anderen Onkel, der mehr Kühe hat. Die Anfahrt war schon sehr abenteuerlich. Das Haus dort ist deutlich einfacher, eher eine Holzhütte. Aber es gibt wohl ein Zweithaus einen Kilometer entfernt.

Ach ja, viele der Dorfbewohner haben sowieso eine zweite Wohnung in Samarkand, denn die Häuser hier können im Winter nicht geheizt werden. Und hier schneit es tatsächlich deutlich mehr als bei uns.

Wir durften also die Kühe bestaunen und füttern und es gibt einen wunderschönen Platz mit Blick auf einen völlig unerwarteten kleinen Canyon.

In einem nicht so hübschen Seitenarm werden dafür die ganzen Tierkadaver entsorgt.

Dort blieben wir aber nur kurz, denn die Sonne war schon am Untergehen und dafür kuckten wir in die falsche Richtung.

Am Ende durften wir noch unsere Melkkünste unter Beweis stellen und wider Erwarten war ich sogar erfolgreich. Auch wenn die Hälfte neben dem Eimer landete. Danach machten wir uns auf den Rückweg in die Stadt, zum Abendessen waren wir bei Yusufs Familie eingeladen. Und natürlich gab es Plov. Auch wieder sehr lecker, aber auch wieder sau fettig.

Wir waren pappsatt und zu nichts mehr in der Lage, also fuhren wir mit einem Yandex zurück ins Hostel. Und hier war mein Russisch noch mal gefragt, für unseren Fahrer war es völlig unverständlich, da zwei Deutsche im Auto zu haben, die nicht verheiratet sind (weder miteinander noch sonst irgendwie) und auch keine Kinder haben. Dass man in diesem Zustand glücklich sein kann und dass es Länder gibt, in denen das sogar normal ist, war unvorstellbar 😂 Zurück im Hostel ging es in die Dusche – ich hatte immer noch das Gefühl, nach Kuh zu riechen – und dann direkt ins Bett.
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