06.09.25 - Gemütliches Sightseeing in Khiva

Heute Nacht hab ich prinzipiell ganz gut geschlafen, nur hatte ich nicht mit Moskitos gerechnet. Da es abends angenehm kühl (unter 20°) wird, hatte ich das Fenster aufgerissen, dummerweise ist direkt neben dem Haus ein Kanal und ein Moskitoparadies. Somit hatte ich heute Nacht einige Kämpfe. Teils siegreich – ich überraschte die Gegner beim Verdauungsschlaf an der Wand – teils weniger. Somit rüstete ich die Verteidigung auf – 50% Deet helfen – und schlief die restliche Nacht ganz gut.

Früh las ich noch etwas, um neun gings zum Frühstück. Mein Jahresbedarf an Eiern wird hier wieder innerhalb weniger Tage mehr als gedeckt… Danach lief ich zu einem nahegelegenen Truck, der angeblich Cappuccino hatte. Hatte er auch, aber die Beschaffung gestaltete sich schwierig. Der Verkäufer – vielleicht 11 Jahre alt – war sehr fasziniert von meinem Becher, konnte sich aber den Sinn und Zweck überhaupt nicht erklären. Den Faltmechanismus fand er toll (er faltete und knetete so lang, dass ich schon fast sagen wollte, gib mir einen Kaffee in einem unangetatschten Becher). Er rannte über die Straße, telefonierte und teilte mir mit, sein Bruder käme gleich, ich solle kurz warten. Hm, es kam ein recht weiblicher Bruder… Die Kaffeemaschine (Vollautomat) wurde mit Bohnen befüllt und eingeschaltet (in dieser Reihenfolge). Mein Becher wurde erneut bestaunt und mit den vorhandenen verglichen. Ich wurde erneut gefragt, ob ich mir wirklich sicher wäre mit dem seltsamen Becher. Ja, war ich! Dann gab es Kaffee. In einen anderen Becher. Und ich wurde nochmal gefragt und der Kaffee in meinen Becher umgeschüttet. Der Plastikbecher wanderte in den Mülleimer. Zweck des wiederverwendbaren Bechers ist hier absolut unklar…

Nach gut einer Viertelstunde hatte ich immerhin mein Koffein und lief zurück zum Guesthouse, um im Garten den Blog zu schreiben. Zum Hochladen musste ich nach Innen und brauchte viel Geduld. Die Fotos gingen nur übers Handy.

Als das erledigt war, startete ich in Richtung Innenstadt. Inzwischen war es auch schon fast zwölf und ich war bereit für den nächsten Kaffee. So leicht ist das hier nicht und das Beste, was man finden kann, ist ein Vollautomat. Außerdem waren einige Restaurants noch geschlossen, das mit der Terrasse und der tollen Aussicht dafür komplett voll. Schließlich wurde ich doch noch fündig. Cappu war ok und wenige Minuten nach mir kamen plötzlich die beiden Ungarn ums Eck. Sie setzten sich auch noch kurz zu mir, mussten dann aber zu ihrem Zug.

Ich startete zu einer ersten kleinen Sightseeing Runde. Kostenlos, denn Alex hatte mir sein Ticket geschenkt, das heute noch galt. Und man kann offensichtlich alles mehrfach besuchen.

Ich ging zunächst in ein paar kleinere Madrassen, die Highlights ließ ich aus, da die später Teil der Walking Tour sein sollten. Khiva ist die Stadt der Schulen (Madrassa = Schule) und es kamen Schüler von weit weg hierher. Und Al-Chwarizmi, Namensgeber und „Erfinder“ der Algebra stammt wohl auch von hier.

Ich ließ es sehr gemütlich angehen, drei Tage Khiva sind definitiv sehr viel Zeit. Ich dachte aber ja auch, dass ich einen Tag die Schlösser besuchen würde, was ich jetzt ja auf dem Weg hierher schon erledigt habe. Somit verbrachte ich auch einige Zeit auf diversen Bänken mit Lesen oder Touri-Watching.

Gegen drei ging ich dann eine Kleinigkeit essen, sonst wäre ich bei der Tour später verhungert. Ich hatte mit Spinat gefüllte Nudeln. Nicht verkehrt, aber auch nicht sehr geschmacksintensiv. Danach schlenderte ich noch etwas durch die Gegend, bevor ich um halb 5 am Westtor auf Guide Charos traf. Wir waren insgesamt sechs Touris.

Und nun ging es für drei Stunden zu allen Highlights der Stadt. Charos war echt gut, allerdings ging mir ihre Sprechweise irgendwann auf den Keks. Sie klang wie Dorie aus Findet Nemo, wenn sie versucht „Walisch“ zu sprechen. Sie sprach ganz normal und dann zog sie einzelne Wörter völlig unnatürlich in die Länge. Dabei stülpte sie auch noch ihre Lippen ganz komisch nach außen, dass auch optisch Dorie nicht weit weg war. Wir besuchten zuerst die Juma-Moschee, die aus dem 10. Jh. stammt und damit die älteste in ganz Zentralasien ist. Anders als andere Moscheen ohne Kuppel.

Dann ging es zum alten Khan-Palast. Die Khane (Khäne, Khans???) hatten vier Ehefrauen und bis zu 40 Konkubinen, die alle hier untergebracht waren.

Da wurde dann auch manch ein Kind von der verhassten Nebenfrau gekillt, wenn es zu schlau war und drohte, der nächste Khan zu werden. Könnte ich mir gerade gut vorstellen für das Arschlochkind hier, das die Babykatze so malträtiert hat, dass ich eingeschritten bin.

Außerdem konnten wir sehen, wie das traditionelle Brot und Somsas gebacken werden, indem sie bis heute an die Innenwand des Ofens geklebt werden. Ohne Feuer geht da nix.

Zum Abschluss der Tour landeten wir an dem extrem fetten Minarett. Wir erfuhren, dass es das höchste in Zentralasien werden sollte, deshalb so massiv. Der Khan, der diesen größenwahnsinnigen Gedanken hatte, wurde aber während der Bauzeit umgebracht und niemand anderes hat es weitergebaut. Deshalb ist es auch platt oben.

Pünktlich zum Sonnenuntergang endete die Tour.

Ich steuerte die „Somsa-Bäckerei“ mitten auf einem großen Platz an. Hier gab es ab sechs immer Somsas, jetzt um kurz nach halb 8, konnte ich aber schon die letzten fleischfreien erbeuten. Wirkt ein bisschen unorganisiert, war aber sehr lecker. Und auch günstig, eine fette Somsa kostete nur 1€. Gefüllt war sie mit Kartoffeln und geräuchertem Käse (scheint auch eine regionale Spezialität zu sein, den bekamen wir gestern Abend vorm Essen auch schon.

Als ich fertig war, kam gerade der Mond hinter der nächsten beleuchteten Medrasse hoch, sehr schön. Die Gebäude sind hier nachts alle beleuchtet, das schau ich mir Montag mal an, denn da bin ich für eine Nacht im Inneren der Stadtmauern.

Jetzt waren meine Füße zu platt und ich lief zurück zu meinem Guesthouse. Dummerweise war meine Wäsche noch nicht fertig. Ich hatte heute früh abgezählte Stücke abgegeben, die haben hier einen Stückpreis, der zum Glück nicht für Unterwäsche und Socken gilt. Somit die geringste Wäschemenge zum höchsten Preis. Und dann war alles noch nass… Ich konnte immerhin meine Schlafhose erbetteln, die zum Glück schnell trocknet. Meine restlichen Shirts hingen im Frühstücksraum verteilt, kein Wunder, dass da (fensterlos) nix trocken wird… Außen im Wind wäre das Zeug längst trocken. Dann gings unter die Dusche und ins Bett.

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