02.09.25 - Überbleibsel des zweitgrößten Sees der Welt

Gestern ging es mit einem Yandex zum Bahnhof. Um kurz nach halb 9 war der Zug schon da und ich konnte meine Liege beziehen. Die war deutlich schmäler als in Kasachstan und es gibt keine Abteile. Das wäre alles ok gewesen, aber die Lüftung bot alles.

Von arktischen Winden bis hin zu tropisch warm ohne jegliches Lüftchen.
Kurz gesagt, wirklich viel geschlafen hab ich nicht. Um halb 5 wurde das Licht angemacht und Hektik verbreitet, obwohl der Zug erst knapp eine Stunde später in Nukus ankam. Dort wurde ich vom Fahrer von Besqala Tours abgeholt und erstmal ins gleichnamige Guesthouse gebracht. Dort konnte ich auf einer der Außenliegen im überdachten Innenhof nochmal meinen Schlafsack ausrollen. Schlafen konnte ich aberauch nicht mehr.
Um dreiviertel acht stand ich auf und machte mich fertig für die Tour. Und dann dachte ich, ich höre nicht recht. Ein Typ – Alex aus Ungarn wie ich später erfuhr – redete mit dem an der Rezeption. Es ging um eine Tour mit drei Tagen und zwei Nächten. Also genau die, für die ich Mitreisende gesucht hatte! Wie sich herausstellte, hatte der 3. Mann im Bunde abgesagt und Alex und Janosch waren genau wie ich auf der Suche nach einem weiteren Mitfahrer. Wir hatten das beide per Mail kommuniziert, aber mit zwei verschiedenen Leuten, die angeblich nichts voneinander wussten. Ich sollte also 670$ zahlen, die beiden anderen je 450$ und wir sollten in zwei separaten Autos chauffiert werden. Es war nicht ganz einfach, aber wir regten uns schon ein bisschen auf und diskutierten, letztendlich mit Erfolg. Wir durften ein Auto teilen und zahlten so jeder nur 315$, über die Hälfte gespart! Ich glaube man hat mir angesehen, dass ich im Geiste das schon in einer schlechten Bewertung geschrieben hatte. Nur mein Fahrer tat mir etwas leid, der war nun der einzige Verlierer, ich gab ihm zumindest ein größeres Trinkgeld, da ich vermute, dass die hier kein Festgehalt bekommen.
Um halb neun saßen wir drei und unser Fahrer, der angeblich das nötigste Englisch spricht (Zahlen schon mal keine), gemeinsam in einem Toyota Landcruiser und hatten immer noch mehr als genug Platz. Zunächst ging es raus aus Nukus und zu einem Komplex an Nekropolen. Dort hatten wir eine dreiviertel Stunde Zeit uns umzuschauen, mir hätte da auch weniger gereicht.


Es gibt da Grabmäler aus dem 12. Jahrhundert, daneben ganz neue. Die schauen ein bisschen aus wie ein Bett, auf das man einen viel zu kleinen Lattenrost gelegt hat. Wenige Meter weiter hielten wir noch mal an den Überresten einer uralten Siedlung, die im 13. Jh. zerstört wurde. Man darf 3x raten, von wem…


Dann ging es auf die lange Fahrt nach Moynaq. Die ersten 100km gingen noch schnell, die Straße war gut ausgebaut. Die 2. Hälfte war dann etwas mühseliger, eine Straße mit ziemlich vielen ziemlich tiefen Schlaglöchern, ein kleiner Vorgeschmack auf den Nachmittag. Gegen halb 2 kamen wir in dem Ort an, der früher ein Fischerort war. Wir wurden in einem größeren Wohnhaus abgesetzt zum Mittagessen. Ich hatte echt Hunger, bisher hatte ich nur ein paar Nüsse. Dumm gelaufen, denn leider wurde mein Wunsch nach vegetarischem Essen nicht weitergeleitet. So bekam ich zwei Spiegeleier statt der erhofften Ladung an Kohlenhydraten… Ich hab wohl ein halbes Brot dazu verdrückt und sämtliches Grünzeug und Obst, das wir bekamen.

Nach dem Essen ging es zur einzigen und traurigen Sehenswürdigkeit, der Stadt (wenn man sie so bezeichnen möchte), dem Schiffsfriedhof. Hier, wo in den 70ern noch der zweitgrößte See der Welt begann, liegen heute ein paar wenige vor sich hinrostende Fischerboote oder Schiffe.


Einerseits faszinierend, aber in erster Linie traurig und erschreckend kann man hier die größte rein vom Menschen erzeugte Naturkatastrophe bestaunen. Im kleinen Museum nebenan gibt’s noch einen Film dazu.
Der Aralsee wird durch zwei ehemals große Flüsse gespeist. In den 60ern wurde in der UDSSR extrem viel Baumwolle angepflanzt, was sehr wasserintensiv ist. Die Flüsse wurden angezapft, so dass nur noch 10% des Wassers im See ankam. Und der schrumpfte und schrumpfte und niemand interessierte sich dafür.

Seit Anfang der 80er ist das Wasser aus Moynaq weg und die Schiffe liegen auf dem Trockenen. Die Fischfabrik, die Tonnen verarbeitete, musste ihre Arbeit einstellen, quasi die ganze Stadt wurde arbeitslos. Viele wanderten daraufhin nach Moskau ab. Über die Jahre wurde der See immer kleiner, was übrig blieb wurde immer salziger. Dieses Salz plus diverse Düngemittel, die sich im Wasser ablagerten, verteilten sich durch den Wind in der Gegend und machte auch die fruchtbaren Landstriche zu kahlen Flächen.

Heute ist überall dort, wo Wasser war, nur noch Sand und ein paar wenige tapfere Pflanzen kämpfen sich so durch.

Wir sollten eigentlich ganz schnell durch, aber wir ließen uns Zeit, denn das hier ist es doch, weswegen wir hier sind! Viele Schiffe gibt es sowieso nicht mehr, da die anderenalle zersägt und das Metall verkauft wurde.

Gegen halb 4 hatten wir dann aber wirklich alles gesehen und waren bereit zur Weiterfahrt. Von jetzt an ging es Offroad weiter. Zunächst noch durch ein paar Dörfer und dann durch den ehemaligen See. Es gab da mal einen, der hat ein Meer geteilt, ein andere konnte wohl übers Wasser laufen, aber der damalige sowjetische Chef toppt das alles und hat das Wasser einfach komplett beseitigt.

Durchaus praktisch für modernen Investoren, denn wer braucht schon Wasser, wenn man darunter nun Gas fördern kann? Ein Förderturm steht hier am nächsten.

Wir fuhren ziemlich lang durch den ehemaligen See bis wir das Ustyurt Plateau erreichten, wo es abenteuerlich steil wieder hoch ging.

Dort stand ein Auto mit dem Fahrer unten drunter und drei Polen daneben. Sie waren gestrandet, wenn auch an einem Platz mit tollem Ausblick.

Wir standen am Rand des Plateaus und blickten auf das, was früher unter Wasser war. Bevor wir weiterfuhren, luden wir Monika, eine der drei gestrandeten mit ein, sodass zumindest sie schon mal ins Camp kommt. Inzwischen war es auch schon halb 7. Die restliche Fahrt ging es über dieses Plateau und plötzlich sahen wir etwas Blaues vor uns. Den See gibt es tatsächlich noch. Aber wirklich erschreckend klein. Früher konnte man nicht weit schauen, jetzt sieht man das gegenüberliegende Ufer.

Schließlich ging es ein Stück bergab und um halb 8 waren wir am Ziel in einem recht großen, aber einfachen Jurtcamp.

Ich bekam eine für mich mit drei Matratzen und außerdem die erfreuliche Nachricht, Abendessen ist um 8! Dann richtete ich mich ein – wir sind hier zwei Nächte – und genoss noch kurz die Aussicht, bevor es finster wurde.

Dann ging es zum Abendessen und juhu, man hatte an mich gedacht. Kohlenhydrate hoch zwei, ich bekam Reis mit Kartoffeln. Perfekt, endlich fühlte ich mich satt. Dazu noch Salat, Obst und vom Holländer am Nachbartisch einen karalkapakstanischen (???) Vodka, hergestellt unter deutscher Leitung. Oder so ähnlich.
Danach ging ich duschen, kalt, aber erfrischend. Nun sitze ich draußen, völlig allein mit einem Bier. Es ist immer noch warm, nach heute morgen hätte ich es hier kälter erwartet, aber vielleicht kommt das erst später. Inzwischen ist es kurz vor 10 und da ich eh nix hochlade, bin ich nun am Ende und gehe schlafen. Morgen muss ich zum Sonnenaufgang ja wieder draußen sein!

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